Domaine Sylvain Cathiard
Die Domaine Sylvain Cathiard ist eine in den 1930er-Jahren von Sylvain Cathiards Großvater gegründete Adresse in Vosne-Romanée an der Côte de Nuits. Auf rund 5,5 Hektar Kernfläche – mit zusätzlich rund 7 Hektar in den Hautes-Côtes-de-Nuits – bewirtschaftet das Haus Parzellen in drei Côte-de-Nuits-Dörfern (Vosne-Romanée, Nuits-Saint-Georges und Chambolle-Musigny) sowie 0,17 Hektar im Grand Cru Romanée-Saint-Vivant, und zählt damit zu den kleinsten Eigentümern des Grand Cru. Sechs Premier Crus strukturieren das Sortiment, darunter das vielzitierte Aux Malconsorts. Die Weine zählen international zu den begehrtesten Pinots Burgunds.
Gründung und Generationswechsel
Die Geschichte beginnt in den 1930er-Jahren. Sylvain Cathiards Großvater – ein Findelkind aus der Savoie – kam nach Burgund und fand Arbeit bei der Domaine de la Romanée-Conti sowie bei Domaine Lamarche, bevor er schrittweise eigene Parzellen erwarb. André Cathiard führte das Anwesen von 1969 bis 1985, verkaufte den Großteil der Ernte aber an den Négoce. Sylvain Cathiard baute zunächst eine eigene, kleine Domaine auf gepachteten Lagen auf und übernahm 1995 mit dem Ruhestand seines Vaters die elterlichen Reben in Pacht. Ab 2006 stieß Sébastien Cathiard zum Gut, der zuvor in Chablis, auf Château Smith Haut Lafitte und in Neuseeland Erfahrung gesammelt hatte. Mit dem Jahrgang 2011 übernahm Sébastien die alleinige Verantwortung; eine moderne Cuverie war bereits 2008 fertiggestellt worden.
Philosophie und Stilverständnis
Das Haus arbeitet biologisch, ohne formelle Zertifizierung. Sébastien Cathiard hat den stilistischen Akzent gegenüber der Ära seines Vaters deutlich verschoben. Wo unter Sylvain ein üppiger Einsatz von neuem Holz – oft bis zu 100 % bei den Spitzenweinen – die Weine in der Jugend kräftig gerahmt hatte, setzt Sébastien auf Zurückhaltung im Fass und auf längere Reifeperiode der Trauben am Stock. Die Erträge sind gesunken. Ziel ist eine Stilistik, in der das Terroir vor dem Holz steht.
Lagenmosaik und Terroir
Das Herzstück liegt im Dorf Vosne-Romanée. Die Parzelle in Romanée-Saint-Vivant ist 0,17 Hektar groß, stammt aus dem Lieu-dit Les Quatre Journaux und ist mit sehr alten Reben, teils aus 1919 bestockt. Die emblematische Premier-Cru-Lage Vosne-Romanée 1er Cru Aux Malconsorts umfasst 0,74 Hektar – einen vergleichsweise großen Block in einem der profiliertesten Climats des Dorfes. Weitere Vosne-Premiers sind Aux Reignots (0,25 ha), Les Suchots (0,16 ha) und En Orveaux (0,29 ha), das unter Sébastien an Statur gewonnen hat. In Nuits-Saint-Georges hält das Haus zwei Premier-Cru-Parzellen: Aux Murgers mit mehr als 65 Jahre alten Reben (0,48 ha) und das 2006 hinzugekommene Aux Thorey (0,43 ha). Ergänzt wird das Portfolio durch Chambolle-Musigny Clos de l’Orme (0,43 ha) sowie Village-Parzellen in Vosne-Romanée (0,8 ha) und Nuits-Saint-Georges (0,13 ha).
Vinifikation
Die Trauben werden manuell gelesen, sorgfältig sortiert und vollständig entrappt. Eine kühle Vormazeration leitet die Gärung ein; im Tank werden Pigeage und Remontage zurückhaltend kombiniert. Der Ausbau dauert 15 bis 18 Monate in Eichenfässern, geliefert überwiegend von der Tonnellerie Rémond – mit dreijähriger Lufttrocknung und langer, leichter Toastung. Sébastien hat den Neuholzanteil reduziert: kein Neuholz für die regionalen Cuvées, rund 50 Prozent auf Village-Ebene und 50 bis 65 Prozent für Premier und Grand Cru. Eine Ausnahme bildet die Romanée-Saint-Vivant, die aus drei Fässern stammt, von denen zwei in der Regel neu sind.
Schlüsselweine
Den symbolischen Höhepunkt markiert die Romanée-Saint-Vivant Grand Cru – ein Wein floraler Eleganz, dessen Mengen winzig und dessen Allokationen entsprechend rar sind. Ikonisch bleibt der Vosne-Romanée 1er Cru Aux Malconsorts: ein Wein, der die parfümierte Frucht reifer Vosne-Trauben mit gemessener Holznote vereint und bereits jung trinkt, dabei aber zwei Jahrzehnte mühelos überdauert. Im Schatten dieser beiden Cuvées behauptet sich der Nuits-Saint-Georges 1er Cru Aux Murgers, dessen alte Reben für Tiefe und mineralisches Rückgrat stehen.
Stilistik
Cathiards Pinots zeichnen sich durch außergewöhnliche Reintönigkeit aus. Rote Beeren, Veilchen, feinwürzige Noten und eine florale Note dominieren – die Holznote bleibt unter Sébastien strikt im Hintergrund. Die Tannine sind seidig gewebt, die Säure trägt das Geschmacksbild ohne Härte. Die Weine wirken in der Jugend weniger plüschig als unter Sylvain, gewinnen mit Flaschenreife aber an Vielschichtigkeit.
Lagerpotenzial
Village-Weine sind nach fünf bis acht Jahren perfekt antrinkbar, wobei sie auch in der Jungend sehr Hedonistisch sein können. Die Premier Crus aus Vosne und Nuits-Saint-Georges entfalten ihr volles Spektrum zwischen zehn und zwanzig Jahren. Die Romanée-Saint-Vivant und der Aux Malconsorts erreichen bei guter Lagerung 25 Jahre und mehr.
Marktpreise (Europa, Endkundenpreis inkl. MwSt.)
Wine-Searcher und iDealwine zeigen für die wichtigsten Cuvées der jüngeren Jahrgänge folgende Bandbreiten:
- Bourgogne Rouge rund 80 bis 130 Euro
- Vosne-Romanée Village etwa 250 bis 400 Euro
- Nuits-Saint-Georges 1er Cru Aux Thorey / Aux Murgers rund 350 bis 600 Euro
- Vosne-Romanée 1er Cru En Orveaux / Aux Reignots / Les Suchots etwa 500 bis 900 Euro
- Vosne-Romanée 1er Cru Aux Malconsorts je nach Jahrgang zwischen rund 1.100 und 1.500 Euro (Wine-Searcher-Durchschnitt jüngere Jahrgänge ca. 1.000–1.350 USD ex-tax, in Europa entsprechend)
- Romanée-Saint-Vivant Grand Cru je nach Jahrgang zwischen rund 1.500 und 2.500 Euro für aktuelle Releases
Cathiard zählt zu den Häusern mit den steilsten Preisentwicklungen am Sekundärmarkt der letzten zehn Jahre.
Kauforientierung
Der Einstieg gelingt über den Vosne-Romanée Village, der die stilistische Handschrift bereits klar zeigt. Für Sammler sind Aux Malconsorts, Aux Murgers und En Orveaux die strategisch interessantesten Premier Crus. Die Romanée-Saint-Vivant ist über etablierte Allokationen oder den Sekundärmarkt zugänglich.
FAQ
Wer leitet die Domaine Sylvain Cathiard heute?
Sébastien Cathiard führt das Weingut seit dem Jahrgang 2011 in alleiniger Verantwortung. Er ist die dritte Generation der Familie; sein Vater Sylvain ist seither offiziell im Ruhestand.
Wie groß ist das Weingut?
Die Kernfläche in den Premier- und Grand-Cru-Lagen umfasst rund 5,5 Hektar in Vosne-Romanée, Nuits-Saint-Georges und Chambolle-Musigny. Mit den Hautes-Côtes-de-Nuits-Erweiterungen liegt der Gesamtbesitz heute bei rund 12,5 Hektar.
Welcher Wein gilt als Aushängeschild?
Historisch ist es der Vosne-Romanée 1er Cru Aux Malconsorts. Qualitativ und preislich an der Spitze steht die Romanée-Saint-Vivant Grand Cru aus dem Lieu-dit Les Quatre Journaux, gepflanzt 1919.
Wie hoch ist der Neuholzanteil?
Unter Sébastien Cathiard bekommen regionale Weine keinen Neuholzanteil, Village-Weine etwa 50 Prozent, Premiers und Grands Crus zwischen 50 und 65 Prozent. Die Romanée-Saint-Vivant wird in der Regel zu zwei Dritteln in neuen Fässern ausgebaut.
Wie lange lassen sich die Weine reifen?
Village-Weine sind nach fünf bis acht Jahren trinkreif, Premier Crus reifen zehn bis zwanzig Jahre, Grand Cru und Aux Malconsorts erreichen 25 Jahre und mehr.
Was unterscheidet Sébastien Cathiards Stil von dem seines Vaters?
Niedrigere Erträge, deutlich reduzierter Neuholzanteil, Bio-Praxis ohne Zertifizierung. Die Weine sind in der Jugend zurückhaltender, gewinnen mit Reife mehr Tiefe und Terroir-Klarheit.
Bedeutung innerhalb der Weinwelt
Sylvain Cathiard hat das Haus in den 1990er- und frühen 2000er-Jahren – insbesondere mit dem Jahrgang 2000 – zu einer der gefragtesten Vosne-Adressen geformt. Unter Sébastien Cathiard hat die Domaine ihren Status als unverzichtbare Referenz für hochfeinen, terroirpräzisen Pinot Noir gefestigt und steht heute in einer Reihe mit den engsten Nachbarn der Romanée-Conti.