Château Pichon Baron – muskulöser Super Second gegenüber Latour
Château Pichon Baron (vollständig Pichon Longueville Baron) ist ein Deuxième Cru Classé der 1855er-Klassifikation und liegt in der Appellation Pauillac am linken Ufer der Gironde – direkt gegenüber Château Latour. Das Gut zählt zu den bedeutendsten „Super Seconds“ und erzeugt auf 73 Hektar einen strukturierten, muskulösen, Cabernet-betonten Pauillac, der für lange Reife gebaut ist. Eigentümer ist seit 1987 AXA Millésimes, geführt von Christian Seely. Der Grand Vin wird durch zwei stilistisch unterschiedliche Zweitweine ergänzt: Les Griffons de Pichon Baron und Les Tourelles de Pichon Longueville.
Geschichte und Eigentümer
Das Gut geht auf das Jahr 1694 zurück, als die Weinberg-Mitgift der Thérèse de Rauzan an ihren Gatten, Baron Jacques Pichon de Longueville, überging. Beim Tod von Baron Joseph Pichon de Longueville 1850 wurde das ursprünglich vereinte Pichon-Gut geteilt – in Pichon Baron und Pichon Comtesse, die bis heute einander gegenüberliegen. Nach einem halben Jahrhundert im Besitz der Familie Bouteiller erwarb AXA Millésimes das Gut 1987 und betraute zunächst Jean-Michel Cazes (Lynch-Bages) mit der Leitung. Eine umfassende, mit dem Centre Pompidou entworfene Renovierung folgte; die Jahrgänge 1989 und 1990 markierten die Rückkehr an die Spitze. Seit 2001 führt Christian Seely als Managing Director das Gut; Pierre Montégut ist seit Mai 2022 technischer Direktor.
Klassifikation und Status
Pichon Baron ist Deuxième Grand Cru Classé von 1855 und zählt zu den „Super Seconds“ – Zweiten Gewächsen, die qualitativ an die Ersten Gewächse heranreichen. Neal Martin bezeichnete das Gut als „einen der Dreh- und Angelpunkte von Pauillac“ und „in vielerlei Hinsicht den quintessenziellen Pauillac“.
Terroir und Rebflächen
Die 73 Hektar liegen auf tiefem Kies im Süden von Pauillac, an der Grenze zu St-Estèphe und unmittelbar neben Latour. Der Kies speichert nachts Wärme und gibt sie tagsüber ab, leitet überschüssiges Wasser ab und sorgt – zusammen mit der Nähe zur Gironde – für gleichmäßige Temperaturen und frische Brisen. Das Herzstück bildet das historische 40-Hektar-Plateau gegenüber Latour, aus dem der Grand Vin stammt.
Rebsorten und Assemblage
Der Rebsortenspiegel umfasst rund 65 bis 70 % Cabernet Sauvignon, 25 bis 30 % Merlot sowie Cabernet Franc und Petit Verdot. Der Cabernet-Anteil des Grand Vin liegt in jüngeren Jahrgängen höher (zuletzt rund 85 bis 87 Prozent), was die muskulöse, langlebige Statur des Weins betont.
Weinbergsarbeit und Vinifikation
Geerntet wird von Hand; sortiert wird streng, mit optischer Sortierung seit 2010. Vinifiziert wird parzellenweise in Edelstahltanks (64 bis 220 Hektoliter) bei Schwerkraftbefüllung. Der Ausbau dauert 18 bis 20 Monate in 70 bis 80 Prozent neuer Eiche. Seit 2022 wird Petit Verdot teils in Amphoren ausgebaut. Die nachhaltige Zertifizierung besteht seit 2003.
Grand Vin und weitere Weine
Der Grand Vin Château Pichon Baron macht durch strikte Selektion rund 45 bis 52 Prozent der Produktion aus. Die beiden Zweitweine unterscheiden sich deutlich: Les Griffons de Pichon Baron (seit 2012) ist Cabernet-betont und stammt aus demselben Terroir wie der Grand Vin, während Les Tourelles de Pichon Longueville (seit 1986) Merlot-betont ist und aus der tonreicheren Parzelle Sainte-Anne kommt. Im selben Keller entsteht zudem Château Pibran (17 Hektar).
Stilistik und Geschmacksprofil
Pichon Baron ist der muskulösere, tanninbetonte und kräftigere der beiden Pichon-Güter – ein Wein von Cassis, schwarzer Frucht, Graphit, Zedernholz und Tabak, mit fester, fein gewebter Struktur. Nähe und Stilverwandtschaft zu Latour sind unverkennbar; der Wein ist für lange Reife konzipiert.
Bedeutende Jahrgänge
Die Wiederauferstehung begann mit 1989 und 1990. Zu den herausragenden jüngeren Jahrgängen zählen 2009, 2010, 2016, 2019 und 2020.
Lagerpotenzial
Der Grand Vin reift in großen Jahrgängen zwanzig bis dreißig Jahre und mehr und braucht meist acht bis zwölf Jahre, um sich zu öffnen. Les Griffons und Les Tourelles sind nach sechs bis zehn Jahren auf der Höhe.
Marktpreise und Preisentwicklung
Europäische Wine-Searcher-Notierungen für aktuelle Jahrgänge (Endkundenpreise inkl. MwSt., Richtwerte):
- Les Tourelles de Pichon Longueville und Les Griffons de Pichon Baron rund 40 bis 70 Euro
- Château Pichon Baron Grand Vin rund 120 bis 200 Euro für aktuelle Jahrgänge; gefragte Jahrgänge wie 2009, 2010 und 2016 liegen bei rund 200 bis 320 Euro.
Als „Super Second“ bietet Pichon Baron Pauillac-Klasse nahe dem Niveau der Ersten Gewächse zu einem Bruchteil des Preises.
Kauforientierung
Den Einstieg bieten die beiden Zweitweine – je nach Vorliebe der Cabernet-betonte Les Griffons oder der weichere Les Tourelles. Für Sammler ist der Grand Vin in großen Jahrgängen die strategische Position – ein muskulöser, langlebiger Pauillac in Latour-Nachbarschaft.
FAQ
Wem gehört Château Pichon Baron? Das Gut gehört seit 1987 AXA Millésimes. Managing Director ist seit 2001 Christian Seely; technischer Direktor seit Mai 2022 Pierre Montégut.
Welche Klassifikationsstufe hat Pichon Baron? Es ist Deuxième Cru Classé (Zweites Gewächs) der 1855er-Klassifikation und zählt zu den „Super Seconds“.
Wie setzt sich der Grand Vin zusammen? Der Rebsortenspiegel umfasst rund 65 bis 70 % Cabernet Sauvignon und 25 bis 30 % Merlot; der Grand Vin enthält in jüngeren Jahrgängen rund 85 bis 87 % Cabernet Sauvignon.
Welche Zweitweine gibt es? Zwei: Les Griffons de Pichon Baron (Cabernet-betont, seit 2012) und Les Tourelles de Pichon Longueville (Merlot-betont, seit 1986).
Wie lange lässt sich Pichon Baron lagern? Der Grand Vin reift in großen Jahrgängen zwanzig bis dreißig Jahre und braucht meist acht bis zwölf Jahre, um sich zu öffnen.
Was kostet eine Flasche Pichon Baron? Aktuelle Jahrgänge des Grand Vin liegen im europäischen Markt bei rund 120 bis 200 Euro, gefragte Jahrgänge höher. Die Zweitweine beginnen bei rund 40 Euro.
Bedeutung innerhalb der Bordeaux-Hierarchie
Pichon Baron verkörpert den muskulösen, Cabernet-betonten „Super Second“ von Pauillac. Unter AXA Millésimes und Christian Seely hat das Gut – auf historischem Terroir gegenüber Latour – sein Niveau über Jahrzehnte gefestigt und zählt zu den verlässlichsten Zweiten Gewächsen des Médoc.