Château l’Évangile – großes Gut aus Pomerol am rechten Ufer
Château l’Évangile zählt zu den großen Gütern von Pomerol am rechten Ufer der Gironde – lange ein Geheimtipp, der einige der kunstvollsten Weine der Appellation hervorbringt. Pomerol kennt als einzige bedeutende Appellation Bordeauxs keine offizielle Klassifikation. Auf 22 Hektar am östlichen Rand, nahe La Conseillante und Cheval Blanc, entsteht ein intensiver, seidiger Merlot mit Cheval-Blanc-ähnlichem Terroir. Eigentümer ist seit 1990 die Domaines Barons de Rothschild (Lafite) unter Saskia de Rothschild. Ergänzt wird der Grand Vin durch Le Blason de l’Évangile.
Geschichte und Eigentümer
Die erste Erwähnung des Weinbergs datiert auf 1741; nach den Familien Léglise, Isambert und Paul Chaperon erwarben die Rothschilds 1990 das Gut (zunächst zu 70 %, seit 1998 vollständig). Unter Baron Éric de Rothschild und seit 2018 unter seiner Tochter Saskia de Rothschild wurde umfangreich wiederbepflanzt, drainiert und der Ertrag gesenkt. Die Weinbereitung und technische Leitung am Gut verantwortet Jean-Pascal Vazart, an der Seite von Gruppen-Technikdirektor Eric Kohler.
Klassifikation und Status
Pomerol ist die einzige bedeutende Appellation Bordeauxs ohne offizielles Klassifikationssystem. L’Évangile war lange ein Insider-Pomerol, zuweilen von berühmteren Namen überstrahlt – und doch eines der kunstvollsten und eindrucksvollsten Güter der Appellation, getragen von den Ressourcen und der Präzision von DBR Lafite.
Terroir und Rebflächen
Die Böden ähneln jenen von Cheval Blanc: ein Kieskorridor über schweren Tonböden, dazu einige sandige Partien, die in den Zweitwein fließen. L’Évangile ist fast immer eine der frühreifsten Lagen der Appellation – das prägt seine Signatur aus intensiver, reifer Frucht und konzentriertem Geschmack; die Tonböden verleihen Kraft und bewahren zugleich eine durchziehende Frische.
Rebsorten und Assemblage
Die typische Assemblage des Grand Vin liegt bei 80 % Merlot und 20 % Cabernet Franc, wobei zunehmend Cabernet Franc gepflanzt wird. Der Zweitwein Le Blason de l’Évangile weist einen höheren Cabernet-Franc-Anteil auf und reift kürzer im Fass.
Weinbergsarbeit und Vinifikation
Seit 2001 wird auf Herbizide verzichtet, seit 2007 biologisch (unzertifiziert) gearbeitet, mit ISO-14001-Zertifikat und Schritten zur Biodynamie. Im 2004 vollständig renovierten Keller – einem runden Bau, ähnlich jenem in Lafite, nur kleiner – erfolgt die parzellenweise Vinifikation in Betontanks; der Ausbau dauert 18 Monate im Fass. Der Neuholzanteil stieg von null (bis 1981) über 10 bis 20 Prozent auf heute rund 70 Prozent.
Grand Vin und Zweitwein
Der Grand Vin Château l’Évangile macht rund 70 Prozent der Produktion aus, der Zweitwein Le Blason de l’Évangile (seit Jahrgang 1989, vollständig ab 1997) rund 30 Prozent. Zum Besitz von DBR Lafite zählen außerdem Lafite-Rothschild und Duhart-Milon (Pauillac), Rieussec (Sauternes), d’Aussières (Languedoc), Los Vascos (Chile), Bodegas Caro (Argentinien) und Long Dai (China).
Stilistik und Geschmacksprofil
L’Évangile ist ein Wein von Distinktion und Fülle: intensive, reife dunkle Frucht, seidige, wie gestrichene Tannine, dazu eine durch die Tonböden getragene Frische. Mit Reife gewinnt er an Komplexität und Tiefe – der legendäre 1989er zählt zu den größten Pomerols, die je erzeugt wurden.
Bedeutende Jahrgänge
Zu den herausragenden jüngeren Jahrgängen zählen 2015, 2016, 2018, 2019 und 2020. Bei den reiferen Jahrgängen lohnen sich besonders 1989, 1998, 2000, 2005, 2009 und 2010 – der 1989er gilt als einer der größten Pomerols überhaupt.
Lagerpotenzial
Der Grand Vin reift in großen Jahrgängen dreißig Jahre und mehr und braucht meist acht bis zwölf Jahre, um sich zu öffnen. Le Blason de l’Évangile ist nach fünf bis acht Jahren auf der Höhe.
Marktpreise und Preisentwicklung
Europäische Wine-Searcher-Notierungen für aktuelle Jahrgänge (Endkundenpreise inkl. MwSt., Richtwerte):
- Le Blason de l’Évangile rund 50 bis 90 Euro
- Château l’Évangile Grand Vin rund 150 bis 280 Euro für aktuelle Jahrgänge; reife Spitzenjahrgänge (1989, 2009, 2010, 2015) liegen höher.
L’Évangile bietet großen Pomerol aus Rothschild-Hand mit hervorragendem Reifepotenzial.
Kauforientierung
Den Einstieg bietet der Zweitwein Le Blason de l’Évangile. Für die Cellar ist der Grand Vin in großen Jahrgängen die strategisch interessanteste Position – ein intensiver, langlebiger Pomerol mit DBR-Lafite-Handschrift.
FAQ
Wem gehört Château l’Évangile? Das Gut gehört seit 1990 der Domaines Barons de Rothschild (Lafite); an der Spitze steht Saskia de Rothschild. Die Weinbereitung verantwortet Jean-Pascal Vazart.
Welche Klassifikationsstufe hat l’Évangile? Pomerol kennt keine offizielle Klassifikation. L’Évangile zählt dennoch zu den großen Gütern der Appellation.
Wie setzt sich der Grand Vin zusammen? Die typische Assemblage liegt bei 80 % Merlot und 20 % Cabernet Franc, mit steigendem Cabernet-Franc-Anteil.
Wie heißt der Zweitwein? Der Zweitwein ist Le Blason de l’Évangile (seit dem Jahrgang 1989).
Was zeichnet das Terroir von l’Évangile aus? Die Böden ähneln jenen von Cheval Blanc – ein Kieskorridor über schweren Tonböden –, und das Gut zählt zu den frühreifsten Lagen Pomerols.
Was kostet eine Flasche l’Évangile? Aktuelle Jahrgänge des Grand Vin liegen im europäischen Markt bei rund 150 bis 280 Euro, reife Spitzenjahrgänge höher. Le Blason de l’Évangile beginnt bei rund 50 Euro.
Bedeutung innerhalb der Bordeaux-Hierarchie
L’Évangile verbindet ein Cheval-Blanc-ähnliches Terroir am östlichen Rand von Pomerol mit der Präzision und den Ressourcen der Domaines Barons de Rothschild (Lafite). Als großes, intensives und langlebiges Gut – mit dem legendären 1989er als Referenz – zählt es zu den bedeutenden Namen des rechten Ufers.