Château Figeac – Premier Grand Cru Classé A aus St-Émilion
Château Figeac ist seit 2022 Premier Grand Cru Classé A – eines von nur noch zwei Gütern dieser Spitzenstufe der St-Émilion-Klassifikation, am rechten Ufer der Gironde. Berühmt sind sein hoher Cabernet-Anteil und ein klassischer, subtiler Stil, der es von vielen Nachbarn unterscheidet. Auf 40 Hektar großflächiger Kiesvorkommen – mit auffälligen Parallelen zum Nachbarn Cheval Blanc – entsteht ein vielschichtiger Wein. Eigentümer ist seit 1892 die Familie Manoncourt; Generaldirektor ist Frédéric Faye, Berater Michel Rolland. Ergänzt wird der Grand Vin durch Le Petit Figeac.
Geschichte und Eigentümer
Figeac könnte den Titel des am längsten bekannten Weinguts Bordeaux beanspruchen: Die Familie Figeacus gab dem Ort im 2. Jahrhundert während der Römerzeit seinen Namen; gallo-römische Funde sind bis heute sichtbar. Die Familie Manoncourt kam 1892, doch erst Thierry Manoncourt (Leitung ab 1949, † 2010) lebte ganzjährig hier und etablierte Figeac als Ebenbürtigen des Nachbarn Cheval Blanc – dessen Reben einst Teil des großen Figeac-Guts waren, das im 19. Jahrhundert aufgeteilt wurde. Heute präsidiert Marie-France Manoncourt das Gut; Frédéric Faye, ab 2002 technischer Direktor, ist Generaldirektor.
Klassifikation und Status
Figeac war lange Premier Grand Cru Classé B und galt vielen als zu Unrecht übergangen – besonders 2012. Im Klassement 2022 wurde es endlich zum Premier Grand Cru Classé A befördert, gemeinsam mit Pavie und nach dem Rückzug der drei früheren A-Güter eines von nur noch zwei Häusern an der Spitze. Die vermeintliche Übergehung 2012 hatte zuvor zum Wechsel an der Geschäftsführung und zur Verpflichtung von Michel Rolland geführt.
Terroir und Rebflächen
Figeac teilt zahlreiche Terroir-Merkmale mit Cheval Blanc: Es liegt an der Pomerol-Grenze, mit großflächigen Kiesvorkommen auf drei Kuppen. In der Lage „Graves de l’Enfer“ reicht der Kies sieben Meter tief, andernorts ist er flacher und von Ton unterlegt. Thierry Manoncourt war einer der Ersten am rechten Ufer, der ernsthafte Bodenstudien durchführte – und pflanzte daraufhin ungewöhnlich viel Cabernet.
Rebsorten und Assemblage
Der angestrebte Rebsortenspiegel liegt bei je 40 % Merlot und Cabernet Franc sowie 20 % Cabernet Sauvignon – mit Flexibilität in der finalen Cuvée. Die ältesten Reben wurden 1921 gepflanzt und sind nahezu hundert Jahre alt; der Durchschnitt liegt näher bei 40 Jahren. Die frühere starre Drittelung der drei Sorten wurde zugunsten jahrgangsgerechter Assemblagen gelockert.
Weinbergsarbeit und Vinifikation
Manoncourt war auch der Erste am rechten Ufer, der in den 1970er-Jahren – Latour in Pauillac folgend – Edelstahltanks zur Vinifikation einsetzte. Heute reift der Wein vollständig in neuer Eiche, die Gärung findet in Holz und Edelstahl statt. Kellerrenovierungen ermöglichen präzise parzellenweise Arbeit mit offenen konischen Bottichen und kleineren Edelstahltanks; optische Sortierung erhöht die Präzision zusätzlich. 24 Hektar Wald, Seen und Park machen Figeac zu einem der schönsten Biodiversitätszentren von St-Émilion.
Grand Vin und weitere Weine
Der Grand Vin Château Figeac macht rund 80 Prozent der Produktion aus, der Zweitwein Le Petit Figeac rund 20 Prozent. Dessen Name geht auf das 2002 erworbene Nachbargut Petit-Figeac zurück und datiert bis 1945 – für ein Gut des rechten Ufers ausgesprochen ungewöhnlich (zuvor hieß der Zweitwein bis zum Jahrgang 2011 La Grange Neuve de Figeac). Zum Besitz zählen außerdem La Fleur Pourret und das winzige De Millery (St-Émilion).
Stilistik und Geschmacksprofil
Figeac ist seit jeher ein subtilerer, klassischerer St-Émilion als viele Nachbarn: rote und dunkle Frucht, Zedernholz, Tabak, eine feine Würze und große Eleganz – der hohe Cabernet-Anteil verleiht ihm Struktur und Frische. Die jüngeren Jahrgänge zeigen verstärkte Textur und tanninische Kraft, ohne die Signatur des Guts zu verlieren.
Bedeutende Jahrgänge
Zu den herausragenden jüngeren Jahrgängen zählen 2015, 2016, 2018, 2019, 2020 und 2022. Bei den reiferen Jahrgängen lohnen sich besonders 1982, 1998, 2001, 2005 und 2009; ein historischer Klassiker ist der 1959er.
Lagerpotenzial
Der Grand Vin reift in großen Jahrgängen dreißig Jahre und mehr und braucht meist zehn bis fünfzehn Jahre, um sich zu öffnen. Le Petit Figeac ist nach sechs bis zehn Jahren auf der Höhe.
Marktpreise und Preisentwicklung
Europäische Wine-Searcher-Notierungen für aktuelle Jahrgänge (Endkundenpreise inkl. MwSt., Richtwerte):
- Le Petit Figeac rund 60 bis 100 Euro
- Château Figeac Grand Vin rund 200 bis 350 Euro für aktuelle Jahrgänge; reife Spitzenjahrgänge (1998, 2005, 2009, 2010) liegen höher.
Im Vorfeld der Beförderung 2022 stieg der Marktpreis von Figeac binnen drei Jahren um rund die Hälfte – das Gut zählt zu den dynamischsten Namen von St-Émilion.
Kauforientierung
Den Einstieg in den Stil bietet Le Petit Figeac. Für Sammler ist der Grand Vin in großen Jahrgängen die strategische Position – ein klassischer, vielschichtiger St-Émilion an der absoluten Spitze der Appellation.
FAQ
Wem gehört Château Figeac? Das Gut gehört seit 1892 der Familie Manoncourt, heute unter Marie-France Manoncourt. Generaldirektor ist Frédéric Faye, Berater ist Michel Rolland.
Welche Klassifikationsstufe hat Figeac? Figeac ist seit dem Klassement 2022 Premier Grand Cru Classé A – neu befördert aus der Stufe B und eines von nur zwei Gütern dieser Spitzenklasse.
Wie setzt sich der Grand Vin zusammen? Der angestrebte Rebsortenspiegel liegt bei je 40 % Merlot und Cabernet Franc sowie 20 % Cabernet Sauvignon – ein für St-Émilion ungewöhnlich hoher Cabernet-Anteil.
Wie heißt der Zweitwein? Der Zweitwein ist Le Petit Figeac (bis zum Jahrgang 2011 La Grange Neuve de Figeac).
Was verbindet Figeac mit Cheval Blanc? Beide liegen an der Pomerol-Grenze auf großflächigen Kiesvorkommen; die Reben von Cheval Blanc waren einst Teil des großen Figeac-Guts, das im 19. Jahrhundert aufgeteilt wurde.
Was kostet eine Flasche Figeac? Aktuelle Jahrgänge des Grand Vin liegen im europäischen Markt bei rund 200 bis 350 Euro, reife Spitzenjahrgänge höher. Le Petit Figeac beginnt bei rund 60 Euro.
Bedeutung innerhalb der Bordeaux-Hierarchie
Figeac verbindet außergewöhnliche historische Tiefe mit einem klassischen, Cabernet-betonten Stil und einem Terroir, das jenem von Cheval Blanc gleicht. Mit der lange erwarteten Beförderung zum Premier Grand Cru Classé A (2022) steht es – neben Pavie – an der absoluten Spitze von St-Émilion.