Domaine Coquard-Loison-Fleurot – Burgunds stiller Aufsteiger mit sechs Grands Crus
Die Domaine Coquard-Loison-Fleurot, häufig als CLF abgekürzt, ist eine Familienadresse mit Sitz in Flagey-Échezeaux an der Côte de Nuits. Auf rund 9 Hektar Rebfläche verteilen sich Parzellen in sechs Grand-Cru-Lagen – Grands-Échezeaux, Échezeaux, Clos de la Roche, Clos Saint-Denis, Charmes-Chambertin und Clos de Vougeot – sowie Premier- und Village-Lagen in Vosne-Romanée, Chambolle-Musigny und Gevrey-Chambertin. Die Domaine zählt zu den derzeit spannendsten Aufsteigern Burgunds und arbeitet überwiegend mit sehr alten Reben.
Drei Familien, eine Domaine
Das Weingut vereint Erbschaften aus drei Familien: Die Reben in Morey-Saint-Denis stammen aus dem Besitz der Familie Coquard, die Lagen rund um Échezeaux und Flagey gehen auf die Familie Loison zurück, ergänzt durch Bestände der Familie Fleurot. Über Generationen wurde die Ernte ganz überwiegend an den Négoce verkauft. Die Wende kam vergleichsweise spät: Erst ab dem Jahrgang 2009/2010 wird der Großteil der Produktion unter dem Namen der Domaine abgefüllt.
Generationswechsel mit Thomas Collardot
Verantwortlicher Önologe ist heute Thomas Collardot, Jahrgang 1984, Sohn von Maryse Collardot (geborene Coquard). Er hat seit dem Jahrgang 2011 die alleinige Kellerverantwortung. Im operativen Tagesgeschäft an seiner Seite steht seine Cousine Claire Fleurot, die den kommerziellen Bereich leitet. Mit Maryse Collardot bleibt die Generation der Mütter formal Mitgesellschafterin.
Philosophie
CLF verfolgt einen behutsamen, klassischen Ansatz. Die Weinberge werden gepflügt und nach organischen Prinzipien bewirtschaftet, allerdings ohne formelle Zertifizierung. Thomas Collardot formuliert es offen: Eine kompromisslose Bio-Linie passe nicht zu seinem Temperament; die Praxis bleibt pragmatisch. Sein Stilziel ist Konzentration ohne Schwere und Reife ohne Üppigkeit. Collardot ist eng mit Sébastien Cathiard befreundet; die Vinifikationsmethoden ähneln sich, die Ergebnisse aber tragen jeweils eine eigenständige Handschrift.
Lagen und Terroir
Das Portfolio zeigt eine bemerkenswerte Dichte an Grands Crus. Grands-Échezeaux (0,18 ha) umfasst eine Parzelle mit Reben aus dem Jahr 1929. Échezeaux (1,29 ha) liefert zusammen mit deklassiertem Material den ungewöhnlichen Vosne-Romanée Premier Cru, der überwiegend aus Échezeaux-Trauben besteht. Clos de la Roche (1,17 ha) ist teilweise aus dem Jahr 1933 bestockt. Clos Saint-Denis (0,17 ha) wurde 1936 angepflanzt. Hinzu kommen Charmes-Chambertin (0,32 ha) und Clos de Vougeot (0,64 ha). Ergänzend bewirtschaftet das Haus 1,68 Hektar Vosne-Romanée Village, 0,8 Hektar Chambolle-Musigny und 0,21 Hektar Gevrey-Chambertin. Das Pflanzgut ist über weite Strecken erstklassig: Massalselektionen aus den 1950er-Jahren und älter dominieren das Bild.
Vinifikation
Die Trauben werden handgelesen und im Keller sorgfältig sortiert. Entrappt wird weitgehend vollständig, mit dem Vorbehalt, in geeigneten Jahrgängen einen kleinen Ganztraubenanteil beizugeben. Während der Vergärung wird nur dezent gestampft. Nach Abschluss der alkoholischen Gärung wandert der Wein direkt ins Fass und bleibt dort 15 bis 18 Monate ohne Abstich, ohne Schönung und ohne Filtration. Thomas Collardot hat den Neuholzanteil deutlich reduziert: Village-Weine reifen in rund einem Drittel neuen Fässern, die meisten Grands Crus in 50 bis 66 Prozent. Den höchsten Neuholzanteil bekommen Clos Saint-Denis und Grands-Échezeaux, deren kleine Produktionen den Holzeinfluss tragen.
Schlüsselweine
Der Grands-Échezeaux mit seinen Reben aus den späten 1920er-Jahren ist eines der profiliertesten Aushängeschilder des Hauses. Clos de la Roche zeigt die mineralische und kraftvolle Seite der Morey-Saint-Denis-Grands-Crus, Clos Saint-Denis dagegen geradlinige Eleganz und florales Parfüm. Der Vosne-Romanée Premier Cru – mit deutlichem Échezeaux-Anteil – ist eine Rarität und Beleg für Collardots stilistischen Spielraum.
Stilistik
Die Weine vereinen Konzentration mit Spannung: tiefe Farben, reife rote und schwarze Frucht, feine Würze, samtige Textur. Das Holz dient als Träger, nicht als Geschmackselement. In der Jugend wirken die Cuvées präzise und reintönig; mit Reife entfalten sie eine kaleidoskopische Aromatik. Jasper Morris MW hat den Jahrgang 2022 als bisher besten Auftritt Collardots eingeordnet.
Lagerpotenzial
Village-Weine erreichen ihre Trinkreife ab sechs bis acht Jahren. Premier Crus und kleinere Grands Crus entfalten sich zwischen zehn und achtzehn Jahren. Die Spitzen-Grands-Crus – Grands-Échezeaux und Clos de la Roche – können zwanzig bis dreißig Jahre auf der Flasche reifen.
Marktpreise (Europa, EUR)
Auf Basis aktueller Wine-Searcher-Notierungen und der iDealwine-Marktdaten ergeben sich folgende Bandbreiten für jüngere Jahrgänge:
- Bourgogne Rouge rund 40 bis 70 Euro
- Chambolle-Musigny Village etwa 80 bis 120 Euro
- Vosne-Romanée Village rund 130 bis 200 Euro
- Vosne-Romanée Premier Cru etwa 250 bis 400 Euro
- Charmes-Chambertin Grand Cru rund 300 bis 400 Euro
- Clos de Vougeot Grand Cru rund 220 bis 350 Euro
- Échezeaux Grand Cru zwischen 220 und 400 Euro (Wine-Lister £175 Durchschnitt, jüngere Jahrgänge höher)
- Clos Saint-Denis Grand Cru etwa 400 bis 600 Euro
- Clos de la Roche Grand Cru rund 250 bis 400 Euro
- Grands-Échezeaux Grand Cru rund 500 bis 700 Euro (Wine-Lister £376 Durchschnitt); Magnums deutlich höher
Die Sekundärmarktbewegung ist klar aufwärtsgerichtet; CLF gilt als einer der überzeugendsten Aufsteiger unter den jüngeren Burgunder-Häusern.
Kauforientierung
Einsteiger finden im Vosne-Romanée Village oder im Charmes-Chambertin Grand Cru die ideale stilistische Visitenkarte zu noch zugänglichen Preisen. Sammler sollten Grands-Échezeaux, Clos de la Roche und Clos Saint-Denis priorisieren – die Verbindung aus Mengenknappheit, hohem Rebalter und steigender internationaler Aufmerksamkeit macht diese Cuvées zu den interessantesten Adressen des Hauses.
FAQ
Wer leitet die Domaine Coquard-Loison-Fleurot?
Thomas Collardot (Jahrgang 1984), Sohn einer Coquard, ist seit 2011 für die Vinifikation verantwortlich. Seine Cousine Claire Fleurot leitet den kommerziellen Bereich; Maryse Collardot bleibt formal Mitgesellschafterin.
Wo liegt das Weingut?
Die Domaine hat ihren Sitz in der Rue Haute 5 in Flagey-Échezeaux, einem Dorf der Côte de Nuits zwischen Vosne-Romanée und Vougeot.
Wie viele Grands Crus produziert CLF?
Sechs: Grands-Échezeaux, Échezeaux, Clos de la Roche, Clos Saint-Denis, Charmes-Chambertin und Clos de Vougeot.
Werden die Weine ökologisch erzeugt?
Die Weinberge werden gepflügt und nach ökologischen Prinzipien bewirtschaftet, jedoch ohne formale Zertifizierung. Thomas Collardot beschreibt seine Linie als pragmatisch.
Wie alt sind die Reben?
Die meisten Reben datieren auf die 1950er-Jahre oder früher. Im Grands-Échezeaux stehen Reben aus dem Jahr 1929, im Clos de la Roche aus 1933 und im Clos Saint-Denis aus 1936.
Wann begann die Eigenabfüllung?
CLF füllt seinen Wein erst seit den Jahrgängen 2009/2010 unter eigenem Namen ab. Davor wurde der Großteil der Ernte an Négociants verkauft.
Bedeutung innerhalb der Weinwelt
CLF gehört zu den faszinierendsten Wiederentdeckungen Burgunds der letzten 15 Jahre. Eine außergewöhnliche Konzentration alter Grands-Cru-Reben, kombiniert mit einer jungen, technisch versierten Generation am Ruder, hat die Domaine binnen weniger Jahrgänge in die internationale Spitzendiskussion katapultiert.