Château Lafite Rothschild – das aromatische Erste Gewächs von Pauillac
Château Lafite Rothschild ist ein Premier Cru Classé der 1855er-Klassifikation und eines der vier ursprünglichen Ersten Gewächse. Das Gut liegt in der Appellation Pauillac am linken Ufer der Gironde und gehört seit 1868 der Familie Rothschild. Auf 110 Hektar tiefen Kiesböden entsteht ein Cabernet-Sauvignon-dominierter Grand Vin von außergewöhnlicher aromatischer Komplexität – traditionell etwas weniger wuchtig als Mouton und Latour, dafür von schwereloser Eleganz und legendärer Reifefähigkeit. Geführt wird das Haus seit Ende 2021 von Saskia de Rothschild als Präsidentin und Generaldirektorin. Ergänzt wird der Grand Vin durch den Zweitwein Carruades de Lafite.
Geschichte und Eigentümer
Lafite hat eine der ältesten Geschichten Bordeauxs; eine erste Erwähnung der „Seigneurie de la Hite“ stammt aus dem Jahr 1234. Zum Weingut im heutigen Sinne wurde es mit der Ankunft von Jacques de Ségur in den 1670er-Jahren. Baron James de Rothschild erwarb Lafite 1868 – so erfolgreich, dass er den Kaufpreis innerhalb von zehn Jahren wieder einspielte. Über vier Jahrzehnte prägten drei Männer das Gut; alle drei sind inzwischen ausgeschieden. Seit 2017 hatte Saskia de Rothschild den Vorsitz der Domaines Barons de Rothschild (Lafite) von ihrem Vater Baron Éric de Rothschild übernommen; Ende 2021 übernahm sie zusätzlich die Geschäftsführung von Jean-Guillaume Prats. Als sechste Generation, erste Frau und jüngste Person an der Spitze eines Ersten Gewächses lebt sie als erstes Mitglied des Lafite-Zweigs seit 1868 dauerhaft in Pauillac.
Klassifikation und Status
Lafite ist Premier Grand Cru Classé von 1855 – eine seit ihrer Aufstellung im Médoc praktisch unveränderte Rangordnung. Lafite zählt zum exklusiven Kreis der fünf Ersten Gewächse und gehört zu den gesuchtesten und teuersten Weinen der Welt.
Terroir und Rebflächen
Das Geheimnis liegt im Kies – stellenweise zehn Meter tief – mit Einschlüssen von schwarzem Flugsand auf einem Kalkstein-Fundament. Die älteste Parzelle, La Gravière, wurde 1886 gepflanzt. Die 4,5 Hektar große Parzelle Blanquet in St-Estèphe fließt stets in den Grand Vin ein – sie gehörte schon 1868 zum Gut; das Recht zur Verwendung im Pauillac-Wein wurde am 29. Oktober 1926 gewährt.
Rebsorten und Assemblage
Die 110 Hektar sind zu rund 70 % mit Cabernet Sauvignon und 25 % Merlot bestockt, ergänzt durch Cabernet Franc und Petit Verdot. Der Grand Vin enthält regelmäßig zwischen 80 und 90 Prozent Cabernet Sauvignon.
Weinbergsarbeit und Vinifikation
Lafite arbeitet überraschend traditionell: Ein großer Teil des Weins vergärt in denselben Holzfudern, die seit den 1980er-Jahren im Einsatz sind; zugleich kommen zunehmend Drohnen, GPS und Sensoren zur Reifebestimmung zum Einsatz. Sämtliche Fässer stammen aus der hauseigenen Küferei Tonnellerie des Domaines. Ein neuer Keller mit Edelstahl- und Betontanks (40 bis 120 Hektoliter) besteht seit dem Jahrgang 2011, ergänzend zum kreisrunden Keller von Ricardo Bofill (1987).
Grand Vin und weitere Weine
Der Grand Vin Château Lafite Rothschild macht je nach Jahrgang rund 30 bis 40 Prozent der Produktion aus. Der Zweitwein Carruades de Lafite ist heute ein großer Erfolg – wobei der Wein trotz seines Namens nicht mehr von den Reben des Carruades-Plateaus stammt; diese fließen in den Grand Vin. Der Drittwein Légende rundet die Pauillac-Linie ab. Ein Weißwein wurde 1960 eingestellt.
Stilistik und Geschmacksprofil
Lafite ist weniger wuchtig und muskulös als Mouton und Latour und besticht durch eine geradezu schwerelose aromatische Komplexität: feinste rote und schwarze Frucht, Veilchen, Zedernholz, Graphit und eine schwebende Mineralität. Eric Kohler beschrieb den Schlüssel zu Lafite einmal als „ein Spektrum an Aromen statt der starken Ausprägung eines einzelnen“ – eine treffende Charakterisierung.
Bedeutende Jahrgänge
Lafite zählt zu den langlebigsten Weinen Bordeauxs; Flaschen aus dem 19. Jahrhundert sind oft noch vital. Zu den herausragenden jüngeren Jahrgängen zählen 2009, 2010, 2016, 2018, 2019 und 2022; historische Legenden sind unter anderem 1959, 1982, 1986, 1990 und 2000.
Lagerpotenzial
Der Grand Vin reift in großen Jahrgängen fünfzig Jahre und mehr und entfaltet sich frühestens nach fünfzehn bis zwanzig Jahren. Carruades de Lafite ist nach zehn bis fünfzehn Jahren auf der Höhe.
Marktpreise und Preisentwicklung
Europäische Wine-Searcher-Notierungen für aktuelle Jahrgänge (Endkundenpreise inkl. MwSt., Richtwerte):
- Légende Pauillac rund 30 bis 50 Euro
- Carruades de Lafite rund 150 bis 280 Euro
- Château Lafite Rothschild Grand Vin je nach Jahrgang rund 600 bis 900 Euro für aktuelle Releases; reife Spitzenjahrgänge (1982, 1986, 2000, 2009, 2010) erreichen vier- bis fünfstellige Beträge.
Lafite zählt zu den begehrtesten Sammlerweinen der Welt und ist eine der stabilsten Positionen des Fine-Wine-Marktes.
Kauforientierung
Den Einstieg in den Stil bietet der Zweitwein Carruades de Lafite. Für Sammler ist der Grand Vin in großen Jahrgängen die strategische Position – idealerweise aus gesicherter Provenienz, da kaum ein Wein der Welt ähnlich gefälscht wird.
FAQ
Wem gehört Château Lafite Rothschild? Das Gut gehört seit 1868 der Familie Rothschild über die Domaines Barons de Rothschild (Lafite). Seit Ende 2021 führt Saskia de Rothschild das Haus als Präsidentin und Generaldirektorin.
Welche Klassifikationsstufe hat Lafite Rothschild? Lafite ist Premier Cru Classé (Erstes Gewächs) der 1855er-Klassifikation – eines von nur fünf Ersten Gewächsen in Bordeaux.
Wie setzt sich der Grand Vin zusammen? Die Rebflächen sind zu rund 70 % mit Cabernet Sauvignon und 25 % Merlot bestockt; der Grand Vin enthält meist 80 bis 90 % Cabernet Sauvignon.
Wie heißen Zweit- und Drittwein? Der Zweitwein ist Carruades de Lafite, der Drittwein Légende. Ein Weißwein wurde 1960 eingestellt.
Wie lange lässt sich Lafite lagern? Der Grand Vin reift in großen Jahrgängen fünfzig Jahre und mehr und braucht meist fünfzehn bis zwanzig Jahre, um sich zu öffnen.
Was kostet eine Flasche Lafite Rothschild? Aktuelle Jahrgänge des Grand Vin liegen im europäischen Markt bei rund 600 bis 900 Euro, reife Spitzenjahrgänge deutlich höher. Carruades de Lafite beginnt bei rund 150 Euro.
Bedeutung innerhalb der Bordeaux-Hierarchie
Lafite Rothschild verkörpert den aromatischen, feingliedrigen Pol der Ersten Gewächse von Bordeaux. Als eines von fünf Premiers Crus und globaler Maßstab für Eleganz und Reifefähigkeit vereint das Haus historische Tiefe mit kompromissloser Qualität – unter der sechsten Rothschild-Generation an seiner Spitze.