Pinot Noir
Pinot Noir ist eine rote Rebsorte (Vitis vinifera) burgundischer Herkunft und für viele Kritiker die größte rote Edelrebe der Welt. Mit etwa 115.000 Hektar Anbaufläche weltweit ist sie nicht die meistangebaute, aber unbestritten die anspruchsvollste und sensibelste unter den klassischen Rotweinsorten — die „heartbreak grape“ der angelsächsischen Weinliteratur. Heimat und Spitzenrevier ist das Burgund in Frankreich mit rund 11.000 Hektar Pinot Noir, verteilt auf eine fein abgestufte Klassifikation aus Régionale-, Village-, Premier-Cru- und Grand-Cru-Lagen — an der Spitze die 33 roten Grand Crus der Côte de Nuits und Côte de Beaune, darunter Romanée-Conti, La Tâche, Richebourg, Romanée-Saint-Vivant, Chambertin und Musigny. In der Champagne stehen weitere rund 13.000 Hektar Pinot Noir als Cuvée-Partner für die Schaumweine (besonders in der Montagne de Reims und der Côte des Bar). Deutschland ist mit etwa 11.800 Hektar Spätburgunder das drittwichtigste Pinot-Noir-Land der Welt, mit Schwerpunkten in Baden, der Pfalz und der Ahr. In der Neuen Welt prägen Oregon (Willamette Valley), Kalifornien (Sonoma Coast, Russian River Valley, Carneros, Santa Barbara County), Neuseeland (Central Otago, Martinborough, Marlborough) und Australien (Mornington Peninsula, Tasmania, Yarra Valley) eigenständige Stilistiken. Pinot Noir produziert die teuersten Rotweine der Welt — die Romanée-Conti der Domaine de la Romanée-Conti erzielt regelmäßig fünf- bis sechsstellige Auktionspreise — und gleichzeitig die zerbrechlichsten: Kaum eine Rebsorte zeigt ihren Standort, ihren Jahrgang und die Hand des Winzers so unverstellt wie diese.
Herkunft und Geschichte
Pinot Noir ist eine der ältesten dokumentierten Rebsorten der europäischen Weingeschichte. Ampelografische und linguistische Indizien sprechen für eine Domestikation in Gallien während der Römerzeit; klare schriftliche Belege existieren ab dem 4. Jahrhundert (Plinius der Jüngere). Den heutigen Charakter erhielt Pinot Noir durch die Zisterzienser- und Benediktinermönche des Burgunds, die zwischen dem 6. und 14. Jahrhundert die heutigen Lagengrenzen erforschten und kartierten. Das Clos de Vougeot (heute 50 ha Grand Cru) wurde im 12. Jahrhundert von den Zisterziensern angelegt; die Côte de Nuits mit ihren Grand-Cru-Lagen entwickelte sich über Jahrhunderte zur Référence-Region für edelste Rotweine.
Im 14. Jahrhundert erließ Herzog Philipp der Kühne ein berühmtes Edikt, das den „vile et déloyal“ Gamay zugunsten des „noblen“ Pinot Noir aus dem Burgund verbannte — die früheste dokumentierte Sortenregulierung Europas. Die heute gültige Burgund-Klassifikation mit Régionale (Bourgogne), Communale (Village), Premier Cru und Grand Cru wurde im 20. Jahrhundert formalisiert; die 33 roten Grand Crus liegen fast alle in der Côte de Nuits (z.B. Romanée-Conti, La Tâche, Richebourg, Romanée-Saint-Vivant, Échezeaux, Grands Échezeaux, Clos de Vougeot, Musigny, Bonnes-Mares, Chambertin, Chambertin Clos-de-Bèze, Clos de la Roche, Clos Saint-Denis, Clos de Tart, Mazis-Chambertin, Latricières-Chambertin u.v.m.).
Genetisch ist Pinot Noir eine sehr alte Sorte mit unbekannten Eltern; sie ist über mehrere Mutationen Vorfahre einer ganzen Sortenfamilie: Pinot Blanc (weiße Mutation), Pinot Gris (graue Mutation), Pinot Meunier (mit zusätzlichem Flaum), Pinot Précoce (Frühburgunder). Außerdem ist Pinot Noir gemeinsam mit Gouais Blanc Elternteil von Chardonnay, Gamay, Aligoté, Melon de Bourgogne und etwa zwölf weiteren Sorten — eine genealogisch beispiellose Bedeutung.
Ampelografie und Weinbergscharakter
Pinot Noir ist eine früh austreibende und früh reifende Sorte mit kleinen, kompakten Trauben und kleinen, dünnschaligen, blau-violetten Beeren. Die dünne Schale ist Fluch und Segen: Sie ermöglicht die schlanke, ätherische Stilistik der Sorte, macht sie aber gleichzeitig extrem botrytis-, oidium- und peronospora-anfällig. Frühjahrsfröste sind eine ständige Bedrohung; Hagelschäden in einzelnen Lagen können ganze Jahrgänge zerstören (Burgund 2016, 2017, 2021).
Die Sorte ist außerordentlich standortabhängig — vergleichbar nur mit Nebbiolo und Riesling. Pinot Noir verlangt kühl-gemäßigtes Klima, kalkhaltige Böden (klassischer Burgund: Kalk-Mergel-Hänge der Côte d’Or, kimmeridgischer Kalk in Chablis), gute Drainage, mäßige Erträge und eine lange, langsame Reifephase. Auf zu warmen oder zu fruchtbaren Standorten verliert sie ihre Eleganz; auf zu sauren oder zu kalten Böden ihre Frucht. Diese Empfindlichkeit erklärt, warum Pinot Noir trotz weltweiter Verbreitung nur in wenigen Regionen Spitzenniveau erreicht.
Eine zusätzliche Eigenheit ist die Mutationsfreudigkeit der Sorte: Pinot Noir hat über die Jahrhunderte hunderte unterschiedlicher Klone hervorgebracht. Burgundische massale selections (Auslese aus einzelnen Lagen) gelten als Goldstandard für klonenreiche Anpflanzungen; Dijon-Klone (115, 667, 777, 114, 113) sind weltweit verbreitet.
Globale Verbreitung und Schlüsselregionen
Burgund — die unangefochtene Heimat
Das Burgund ist die spirituelle und qualitative Heimat des Pinot Noir. Die wichtigsten Sub-Regionen:
- Côte de Nuits (vom südlichen Dijon bis südlich Vougeot): die Hochburg der Grand-Cru-Rotweine. Wichtige Gemeinden mit ihren Grand Crus:
- Gevrey-Chambertin: 9 Grand Crus (Chambertin, Chambertin Clos-de-Bèze, Mazis-Chambertin, Chapelle-Chambertin, Charmes-Chambertin, Latricières-Chambertin, Griotte-Chambertin, Mazoyères-Chambertin, Ruchottes-Chambertin)
- Morey-Saint-Denis: 5 Grand Crus (Clos de Tart, Clos des Lambrays, Clos de la Roche, Clos Saint-Denis, Bonnes-Mares teilweise)
- Chambolle-Musigny: 2 Grand Crus (Musigny, Bonnes-Mares teilweise) — gilt als das „elegant-feminine“ Cru-Dorf
- Vougeot: 1 Grand Cru (Clos de Vougeot, 50 ha, 80+ Erzeuger)
- Vosne-Romanée (und Flagey-Échezeaux): die königliche Gemeinde mit 8 Grand Crus (Romanée-Conti, La Tâche, Richebourg, Romanée-Saint-Vivant, La Romanée, La Grande Rue, Échezeaux, Grands Échezeaux)
- Nuits-Saint-Georges: keine Grand Crus, aber bedeutende Premier Crus (Les Saint-Georges, Les Vaucrains)
- Côte de Beaune: vorwiegend Weißwein-Gemeinden, aber mit roten Grand Crus in Aloxe-Corton (Corton, Corton-Renardes) und bedeutenden Premier Crus in Pommard (Les Rugiens), Volnay (Caillerets, Champans, Clos des Chênes)
- Côte Chalonnaise und Mâconnais: Pinot-Noir-Pflanzungen, vor allem Givry, Mercurey, Rully
- Régionale: Bourgogne, Hautes-Côtes de Nuits, Hautes-Côtes de Beaune, Côtes de Nuits-Villages, Côtes de Beaune-Villages
Champagne
Mit etwa 13.000 Hektar ist die Champagne die flächenmäßig größte Pinot-Noir-Anbauregion der Welt, allerdings fast ausschließlich für Schaumweine in Cuvée mit Chardonnay und Pinot Meunier. Schwerpunkte: Montagne de Reims (Pinot-dominant — z.B. Verzy, Verzenay, Ambonnay, Bouzy als Grand-Cru-Dörfer) und die Côte des Bar (Aube). Blanc de Noirs-Champagner werden ausschließlich aus Pinot Noir (und/oder Pinot Meunier) hergestellt.
Deutschland — Spätburgunder
Mit etwa 11.800 Hektar ist Deutschland das drittwichtigste Pinot-Noir-Land der Welt. Die wichtigsten Anbaugebiete:
- Baden: ca. 5.500 ha; Kaiserstuhl (vulkanische Böden), Ortenau, Markgräflerland — Bernhard Huber (Bombach, Schlossberg, Sommerhalde), Salwey, Dr. Heger
- Pfalz: Mittelhaardt mit Friedrich Becker (St. Paul, Heydenreich), Knipser, Rebholz
- Ahr: das deutsche Pinot-Spezialgebiet — Mariental, Pfarrwingert, Schieferlay; Meyer-Näkel, Jean Stodden, J.J. Adeneuer
- Rheinhessen, Württemberg, Franken: kleinere Bestände
Die deutsche Pinot-Noir-Szene gehört seit den 2000er-Jahren zu den qualitativ am rasantesten aufgestiegenen weltweit; Bernhard Huber wurde 2009 für seinen Bombach SR von Robert Parker mit 95+ Punkten ausgezeichnet, eine Punktzahl, die deutscher Pinot Noir lange nicht erreicht hatte.
Oregon — Willamette Valley
Das Willamette Valley in Oregon ist neben Burgund und Central Otago die wichtigste Pinot-Region außerhalb Europas. Die Sub-AVAs Dundee Hills, Eola-Amity Hills, McMinnville, Yamhill-Carlton, Chehalem Mountains, Ribbon Ridge liefern stilistisch burgundnahe Pinots. Pionier-Erzeuger: Eyrie Vineyards (David Lett, 1965), The Eyrie Vineyards South Block, Domaine Drouhin Oregon (Joseph Drouhin), Beaux Frères, Bergström, Cristom, Domaine Serene, Antica Terra.
Kalifornien
- Sonoma Coast (insbesondere die „True Sonoma Coast“ mit Annapolis, Fort Ross-Seaview, Occidental, Freestone): kühles maritimes Pinot-Revier. Erzeuger: Hirsch Vineyards, Flowers, Wayfarer, Williams Selyem, Marcassin, Peay Vineyards
- Russian River Valley: wärmer, fruchtiger Stil. Williams Selyem, Rochioli, Gary Farrell, Kistler, Failla
- Carneros: zwischen Napa und Sonoma am Wasser — kühl, oft für Sekt-Cuvées
- Santa Barbara County (Santa Rita Hills, Sta. Rita Hills AVA): Au Bon Climat (Jim Clendenen), Sea Smoke, Sandhi, Sanford & Benedict
Neuseeland
- Central Otago (Südinsel): das südlichste Weinbaugebiet der Welt; Halbwüste mit kontinentalem Klima. Erzeuger: Felton Road, Burn Cottage, Mt Difficulty, Two Paddocks, Rippon, Mount Edward
- Martinborough (Wairarapa, Nordinsel): Ata Rangi, Dry River, Martinborough Vineyard
- Marlborough: zunehmend bedeutend — Cloudy Bay Te Wahi, Greywacke
- Nelson, Hawke’s Bay: kleinere Pinot-Pflanzungen
Weitere Regionen
- Australien: Mornington Peninsula (Yabby Lake, Ten Minutes by Tractor, Paringa Estate), Tasmania (Tolpuddle, Stefano Lubiana, Domaine A), Yarra Valley (Yarra Yering, Mac Forbes, Bass Phillip)
- Chile: Casablanca, San Antonio, Bío-Bío
- Argentinien: Patagonia (Río Negro, Chubut)
- Südafrika: Hemel-en-Aarde Valley (Hamilton Russell, Bouchard Finlayson, Storm)
- Kanada: Niagara Peninsula, Okanagan
- Italien: Südtirol (Pinot Nero — St. Magdalener, Mazon)
- Schweiz: Graubünden (Bündner Herrschaft), Wallis
Vinifikation und Stilbandbreite
Burgund-Vinifikation ist klassisch und bewusst minimalistisch: handgelesene Trauben, oft mit hohem Anteil Ganztraubenvergärung (whole bunch / stems — bei Domaine de la Romanée-Conti, Roumier, Dujac, Mugnier, Rousseau) oder Entrappung nach Stil-Vorliebe. Kalte Mazeration vor der Vergärung (cold soak) für 3–5 Tage. Spontangärung mit nativen Hefen ist Standard. Manuelles Pigéage (Untertauchen der Schalenkappe mit Stempeln). Die Mazeration dauert 12–20 Tage. Ausbau im französischen Barrique (häufig Allier oder Tronçais) über 12–22 Monate, mit moderatem Neuholzanteil (15–40 % bei Premier Crus, 30–100 % bei Grand Crus, abhängig vom Erzeuger). Schwefelung minimal. Filtration meist vermieden.
Stilistische Bandbreite:
- Burgund Régionale (Bourgogne Rouge, Bourgogne Hautes Côtes): elegant, fruchtbetont, früher trinkreif
- Village-Weine: profilstärker, mit Ortsstil
- Premier Cru: präzise Lagenbetonung, mit Reifepotenzial
- Grand Cru: höchste Konzentration, Komplexität, 20–50+ Jahre Reifepotenzial
- Deutscher Spätburgunder: oft präziser und kühler als Burgund, weniger Holz
- Oregon-Stil: zwischen Burgund und Neuer Welt; oft mit hohem Stem-Anteil
- Sonoma/Russian River: vollmundig, fruchtsüß, oft 14 % Alkohol
- Central Otago: konzentriert, würzig, mit Schwarzkirsch- und Lakritzennote
Aromenprofil
Primäraromen kühler Stile (Burgund Village, deutscher Spätburgunder, Tasmania): Himbeere, Sauerkirsche, Erdbeere, Cranberry, Granatapfel, Veilchen, Rose, manchmal Stem-Note (Rhabarber, Hagebutte). Wärmere Stile (Sonoma, Central Otago): Schwarzkirsche, Brombeere, Cassis, Pflaume. Sekundäraromen durch Hefelager und Holzausbau: Brioche, Vanille, Zedernholz, Mokka, geröstete Hasel- oder Cashewnuss. Tertiäraromen gereifter Spitzenweine: Trüffel, Pilz, Unterholz, Sous-Bois, Lederpolster, Tabakblatt, getrocknete Rose, Kirschwasser, Zwetschge. Tannin mittel (oft seidig), Säure mittel bis hoch, Alkohol je nach Region 12–14,5 %, Farbe rubinrot bis kirschrot, im Alter ziegelrot. Eine reife Vosne-Romanée-Nase mit Trüffel, getrockneter Rose und Sauerkirsche gehört zu den großen Sinneserlebnissen der Weinwelt.
Lagerpotenzial
Einfache Pinot Noirs sind in 2–5 Jahren auf der Höhe. Burgund Village-Weine entwickeln sich über 5–12 Jahre. Premier Crus reifen 10–25 Jahre. Grand Crus und die Premium-Cuvées der Spitzenerzeuger erreichen 20–50+ Jahre. Intakte 1929er, 1945er, 1959er, 1969er, 1971er, 1978er, 1985er und 1990er Romanée-Conti-Jahrgänge gelten als legendäre Referenzweine; DRC Romanée-Conti ist die teuerste regelmäßig produzierte Weincuvée der Welt (Auktionspreise pro Flasche im fünf- bis sechsstelligen Bereich). Spitzen-Spätburgunder aus Baden und der Ahr altern 15–25 Jahre.
Bedeutende Erzeuger und Ikonen
Burgund — Côte de Nuits
- Domaine de la Romanée-Conti (DRC) in Vosne-Romanée: Romanée-Conti (1,8 ha Monopol), La Tâche (Monopol), Richebourg, Romanée-Saint-Vivant, Échezeaux, Grands Échezeaux, Corton — die unangefochtene Referenz
- Domaine Leroy (Lalou Bize-Leroy): Musigny, Chambertin, Clos de la Roche, Richebourg, Romanée-Saint-Vivant
- Domaine d’Auvenay (Lalou Bize-Leroy persönliches Gut)
- Henri Jayer (verstorben 2006; legendäre Jahrgänge bis 2001) — Cros Parantoux als Premier-Cru-Ikone
- Domaine Armand Rousseau (Gevrey-Chambertin): Chambertin, Chambertin Clos-de-Bèze, Mazis-Chambertin, Ruchottes-Chambertin
- Domaine Georges Roumier (Chambolle-Musigny): Musigny, Bonnes-Mares, Amoureuses
- Domaine Comte de Vogüé (Chambolle-Musigny): Musigny Vieilles Vignes
- Domaine Coquard-Loison-Fleurot (Flagey-Echézeaux): Clos de la Roche, Clos Saint-Denis, Échézeaux, Grands Échezeaux, Charmes-Chambertin
- Domaine Rober Groffier (Morey-Saint-Denis): Bonnes-Mares, Amoureuses
- Domaine Château de la Tour (Vougeot): Clos Vougeot
- Domaine Sylvain Cathiard (Vosne-Romanée): Aux Malconsorts, Aux Thorey, Aux Mugeres
- Domaine Bruno Clair (Marsannay): Clos Saint-Jacques, Clos-de-Bèze
- Domaine Drouhin-Laroze, Domaine Faiveley, Maison Joseph Drouhin, Maison Louis Jadot, Bouchard Père & Fils
Burgund — Côte de Beaune (Pinot Noir)
- Domaine de la Vougeraie, Michel Lafarge (Volnay), Comte Armand (Pommard Clos des Épeneaux), Domaine Henri Boillot
Deutschland
- Bernhard Huber (Baden, Malterdingen): Bombach, Schlossberg, Sommerhalde, Wildenstein
- Friedrich Becker (Pfalz, Schweigen): St. Paul, Sankt Paul, Heydenreich
- Meyer-Näkel (Ahr): Pfarrwingert, Sonnenberg, S
- Jean Stodden (Ahr): Recher Herrenberg, Sonnenberg, Pfarrwingert
- J.J. Adeneuer (Ahr), Salwey (Baden), Dr. Heger (Baden), Rebholz (Pfalz), Knipser (Pfalz)
Oregon
- Eyrie Vineyards (David Lett, der Pinot-Pionier Oregons)
- Beaux Frères (gegründet von Robert Parker’s Bruder), Domaine Drouhin Oregon, Bergström, Cristom, Domaine Serene, Antica Terra, Penner-Ash
Kalifornien
- Williams Selyem (Russian River, Sonoma Coast), Marcassin, Kistler, Aubert, Failla, Hirsch, Wayfarer, Peay, Sea Smoke, Sandhi, Au Bon Climat
Neuseeland
- Felton Road (Central Otago — Block 3, Block 5, Cornish Point, Calvert)
- Burn Cottage, Mt Difficulty, Two Paddocks, Rippon, Mount Edward
- Ata Rangi (Martinborough), Dry River
Australien
- Bass Phillip (Gippsland — Reserve, Premium), Tolpuddle Vineyard (Tasmania), Stefano Lubiana (Tasmania), Yabby Lake (Mornington), Ten Minutes by Tractor, Yarra Yering
Südafrika
- Hamilton Russell Vineyards (Hemel-en-Aarde), Bouchard Finlayson, Storm, Crystallum
Marktpreise
- Einstieg (Bourgogne Rouge, einfacher Spätburgunder, kalifornischer/oregonischer Einstieg, neuseeländischer Marlborough): 15–35 Euro
- Mittelklasse (Burgund Village, deutscher Spätburgunder Ortswein, gehobener Sonoma/Oregon, Central Otago): 35–80 Euro
- Premium (Burgund Premier Cru, Spätburgunder Großes Gewächs Huber/Becker, Felton Road, Williams Selyem): 80–250 Euro
- Ikonen (Burgund Grand Cru der Spitze): 250–2.000 Euro
- Top-Auktion (DRC Romanée-Conti, Leroy Musigny, Henri Jayer Cros Parantoux): 5.000–50.000 Euro pro Flasche; ältere Jahrgänge sechsstellig
Food Pairing
Pinot Noir ist mit seiner Säure, seinem feinen Tannin und seiner aromatischen Komplexität einer der vielseitigsten Speisenbegleiter überhaupt. Klassische Paarungen:
- Bresse-Geflügel (Coq au Vin, Poulet de Bresse rôti) — die ikonische Burgund-Paarung
- Ente, Wachtel, Taube
- Wildgeflügel (Rebhuhn, Fasan), Wildbret (Reh, Hirsch — vorsichtig mit jungen Pinots)
- Lammgerichte mit Kräutern, gegrilltes Lamm
- Beef Bourguignon (kraftvollere Stile aus Gevrey-Chambertin oder kalifornischer Russian River)
- Pilzgerichte: Trüffelrisotto, Steinpilzpasta, Morchelsauce, Trüffel-Pasta
- Lachs und fetter Fisch (Thunfisch-Tatar, gegrillter Lachs, Maguro)
- Reife Weichkäse: Brie de Meaux, Coulommiers, Camembert
- Asiatische Küche: japanisches BBQ-Wagyu, koreanisches Bulgogi, Pekingente
- Risotto al Tartufo mit weißem Trüffel
Bedeutung innerhalb der Weinwelt
Pinot Noir ist die schwer fassbare Königin des Rotweins. Sie ist die genealogische Stammmutter zahlreicher heute wichtiger Sorten (Chardonnay, Gamay, Aligoté entstanden aus Pinot Noir und Gouais Blanc), das ampelografische Reinheitsideal des Burgunds und gleichzeitig die spirituelle Herausforderung jedes ambitionierten Winzers von Oregon bis Tasmania. Kein Wein wird so leidenschaftlich verfolgt, so detailliert verkostet, so präzise nach Lagen geordnet wie Pinot Noir aus dem Burgund. Die Liv-ex-Marktbewegungen der letzten zehn Jahre zeigen einen klaren Trend: Burgund-Grand-Crus, vor allem von DRC, Leroy, Rousseau, Roumier und Mugnier, haben Bordeaux Premier Crus an Wertzuwachs überholt — eine historische Verschiebung der Premium-Achse der Weinwelt. Wer Rotwein in seiner zerbrechlichsten, transparentesten, am stärksten terroirgetreuen Form sucht, kommt am Pinot Noir nicht vorbei.
FAQ
Welche Eltern hat Pinot Noir?
Die genauen Eltern von Pinot Noir sind nicht bekannt — die Sorte gilt als sehr alt und wahrscheinlich als eine der ersten domestizierten Vinifera-Reben aus der gallisch-römischen Zeit. Bedeutender ist ihre Nachkommenschaft: Gemeinsam mit Gouais Blanc ist Pinot Noir Elternteil von Chardonnay, Gamay, Aligoté, Auxerrois, Melon de Bourgogne und etwa zwölf weiteren Sorten. Außerdem hat sie über Mutationen die Sorten Pinot Blanc, Pinot Gris, Pinot Meunier und Pinot Précoce (Frühburgunder) hervorgebracht.
Wo wird Pinot Noir hauptsächlich angebaut?
Burgund in Frankreich ist die spirituelle und qualitative Heimat mit rund 11.000 Hektar Pinot Noir (Côte de Nuits, Côte de Beaune, Côte Chalonnaise, Mâconnais). Champagne hat mit ca. 13.000 Hektar die größte Pinot-Noir-Fläche eines einzelnen Anbaugebiets — fast ausschließlich für Schaumwein. Deutschland ist mit 11.800 Hektar Spätburgunder das drittwichtigste Land (Baden, Pfalz, Ahr). Bedeutende Anbaugebiete der Neuen Welt: Oregon (Willamette Valley), Kalifornien (Sonoma Coast, Russian River, Carneros, Santa Barbara), Neuseeland (Central Otago, Martinborough, Marlborough), Australien (Mornington Peninsula, Tasmania), Südafrika (Hemel-en-Aarde) und Chile.
Wie schmeckt Pinot Noir?
Pinot Noir ist eine aromatisch vielschichtige Sorte. Kühle Stile (Burgund, Spätburgunder) zeigen Himbeere, Sauerkirsche, Erdbeere, Cranberry, Veilchen und Rose; wärmere Stile (Sonoma, Central Otago) bringen Schwarzkirsche, Brombeere und Pflaume. Im Alter entwickeln sich Trüffel, Pilz, Unterholz, Sous-Bois, Sattelleder und getrocknete Rose. Tannin meist mittel und seidig, Säure mittel bis hoch, Alkohol 12–14,5 %, Farbe rubinrot bis kirschrot.
Welche Speisen passen zu Pinot Noir?
Klassische Partner sind Bresse-Geflügel, Ente, Wachtel, Lamm, Wildgeflügel (Rebhuhn, Fasan), Pilzgerichte (Trüffelrisotto, Steinpilzpasta), gegrillter Lachs, Thunfisch-Tatar und reife Weichkäse (Brie, Camembert, Coulommiers). Reife Burgunder Grand Crus harmonieren ideal mit Trüffelgerichten und Wildbret. Pinot Noir ist zudem ein hervorragender Partner für asiatische Küche (Pekingente, Wagyu, Bulgogi).
Was ist die Domaine de la Romanée-Conti?
Domaine de la Romanée-Conti (DRC) ist das prestigeträchtigste Weingut der Welt, im burgundischen Vosne-Romanée. Es bewirtschaftet 28 ha, darunter den 1,8 ha Monopol Romanée-Conti Grand Cru (seit 1232 dokumentiert), den Monopol La Tâche sowie Parzellen in Richebourg, Romanée-Saint-Vivant, Échezeaux, Grands Échezeaux und Corton. Die Romanée-Conti-Cuvée ist die teuerste regelmäßig produzierte Weincuvée der Welt — Auktionspreise pro Flasche liegen im fünf- bis sechsstelligen Bereich.
Was sind die Burgund-Grand-Crus?
Grand Cru ist die höchste Lagen-Klassifikation des Burgunds. Es gibt 33 rote Grand Crus, fast alle in der Côte de Nuits. Die wichtigsten: Romanée-Conti, La Tâche, Richebourg, Romanée-Saint-Vivant, La Romanée, La Grande Rue (alle in Vosne-Romanée), Échezeaux, Grands Échezeaux, Clos de Vougeot, Musigny, Bonnes-Mares, Chambertin, Chambertin Clos-de-Bèze, Clos de la Roche, Clos Saint-Denis, Clos de Tart, Clos des Lambrays, Corton. Hinzu kommen 8 weiße Grand Crus in der Côte de Beaune (Montrachet, Bâtard-Montrachet etc.) — bis auf Corton-Charlemagne fast alle Chardonnay.
Wie lange kann man Pinot Noir lagern?
Einfache Pinot Noirs sind in 2–5 Jahren auf der Höhe. Burgund Village reift 5–12 Jahre. Premier Crus entwickeln sich über 10–25 Jahre. Grand Crus der Spitze (DRC, Leroy, Rousseau, Roumier, Mugnier) erreichen 20–50+ Jahre; intakte Romanée-Conti-Jahrgänge der 1929er, 1959er und 1978er sind legendär. Spätburgunder Großes Gewächs aus Baden und der Ahr altert 15–25 Jahre.
Wer sind die wichtigsten Pinot-Noir-Erzeuger?
Im Burgund: Domaine de la Romanée-Conti, Domaine Leroy, Domaine d’Auvenay, Henri Jayer, Armand Rousseau, Georges Roumier, Comte de Vogüé, Dujac, Mugnier, Méo-Camuzet, Domaine Lambrays. In Deutschland: Bernhard Huber (Baden), Friedrich Becker (Pfalz), Meyer-Näkel, Jean Stodden (Ahr). In Oregon: Eyrie, Beaux Frères, Domaine Drouhin Oregon. In Kalifornien: Williams Selyem, Marcassin, Kistler. In Neuseeland: Felton Road. In Australien: Bass Phillip, Tolpuddle.