Chambolle-Musigny
Chambolle-Musigny ist eine kommunale Appellation der Côte de Nuits und erstreckt sich über rund 152 Hektar Rebfläche zwischen Morey-Saint-Denis im Norden und Vougeot im Süden. Angebaut wird nahezu ausschließlich Pinot Noir. Die Appellation umfasst zwei Grands Crus – Musigny und Bonnes-Mares – sowie 24 Premiers Crus und gilt als Adresse für besonders elegante, florale und feingliedrige Rotweine. Im Vergleich zu Gevrey-Chambertin, das für kraftvolle Weine steht, und Vosne-Romanée, das für aromatische Tiefe bekannt ist, gilt Chambolle-Musigny als die Appellation der Eleganz.
Die Gemeinde erhielt ihren heutigen Doppelnamen durch ein Dekret vom 15. April 1878, als der Name des berühmtesten Weinbergs – Musigny – offiziell an den Ortsnamen angefügt wurde. Diese Praxis, die prestigeträchtigste Lage in den Gemeindenamen aufzunehmen, war an der Côte d’Or eine verbreitete Tradition des späten 19. Jahrhunderts; Gevrey-Chambertin hatte bereits 1847 den Anfang gemacht. Die Anerkennung als Appellation d’Origine Contrôlée erfolgte am 11. September 1936 – einem Datum, das zugleich die Grand-Cru-Klassifikation von Musigny besiegelte.
Geografie, Lage und Klima
Die Gemeinde Chambolle-Musigny liegt rund 15 Kilometer südlich von Dijon im Herzen der Côte de Nuits. Das Dorf selbst schmiegt sich auf etwa 300 Metern Höhe an den oberen Mittelhang der Côte-d’Or-Schichtstufe, flankiert von bewaldeten Hügelkuppen im Westen. Die Weinberge erstrecken sich auf drei Seiten um den Ort, vom Hangfuß nahe der ehemaligen Nationalstraße 74 bis auf Höhen von gut 320 Metern.
Zwei Taleinschnitte (Comben) prägen das Mikroklima der Gemeinde entscheidend: die Combe de Chambolle oberhalb des Dorfes und die Combe d’Orveau am südlichen Rand der Gemarkung. Beide Schluchten fangen kühlere Luftströmungen ein und leiten sie über die Rebflächen – ein Effekt, der die Frische und aromatische Präzision der Weine entscheidend mitbestimmt. Das kontinentale Klima der Côte d’Or mit ausgeprägten jahreszeitlichen und Tag-Nacht-Schwankungen sorgt für eine Reife, die nie auf Kosten der Säurebalance geht.
Der Ortsname Chambolle selbst leitet sich von champ bouillant ab – dem „brodelnden Feld“ –, eine Anspielung auf die teils heftigen Wassermassen, die nach starken Regenfällen durch den unterirdischen Grône-Bach an die Oberfläche drängen.
Appellation: Fläche und Klassifikation
Die gesamte klassifizierte Appellationsfläche umfasst rund 154 Hektar, wovon zuletzt etwa 152,6 Hektar in Produktion stehen. Die offizielle Gliederung nach INAO und BIVB:
- Village Chambolle-Musigny: ca. 94–96 ha (Produktionsfläche)
- Premier Cru: 24 klassifizierte Climats auf einer Gesamtfläche von 61,2 ha (davon ca. 56–58 ha in Produktion)
- Grand Cru: 2 Appellationen – Musigny und Bonnes-Mares – auf zusammen ca. 25,9 ha
- Hauptrebsorte: Pinot Noir (mit theoretischer Zulassung von bis zu 15 % Chardonnay, Pinot Blanc und Pinot Gris als Ergänzungssorten im Rotwein, was in der Praxis jedoch kaum vorkommt)
- Einzige Ausnahme für Weißwein: Musigny Blanc auf Chardonnay-Basis, ausschließlich im Grand Cru Musigny
Die Konzentration klassifizierter Lagen auf so engem Raum ist außergewöhnlich: Nahezu die Hälfte der gesamten Gemeindefläche entfällt auf Premier-Cru- oder Grand-Cru-Terrain. Diese Dichte hochwertiger Terroirs macht Chambolle-Musigny zu einer der am dichtest klassifizierten Gemeinden der gesamten Côte d’Or.
Terroir und Geologie
Was Chambolle-Musigny geologisch von seinen Nachbargemeinden unterscheidet, ist der ungewöhnlich hohe Anteil an aktivem Kalkstein – also Kalkgestein, das sich noch im Prozess der Verwitterung befindet. Die Böden enthalten weniger schwere Tonminerale als etwa Gevrey-Chambertin oder Morey-Saint-Denis und weisen stattdessen feingliedrige, kalkdominierte Strukturen auf. Die Oberkrume besteht typischerweise aus steinigem Kalk-Ton-Gemisch über einem Untergrund aus Kalkstein mit hohem Calciumanteil.
Diese geologische Besonderheit erklärt den Chambolle-Stil unmittelbar: Die ausgezeichnete Drainage zwingt die Reben zu tiefer Verwurzelung in den Spalten des Kalkfelsens. Erträge bleiben natürlich begrenzt, die Beeren klein und konzentriert. Die resultierenden Weine zeigen ein helleres Farbprofil als jene der Nachbargemeinden, eine ausgeprägte florale Aromatik, feinkörnige Tannine und eine transparente, kalkig-mineralische Signatur.
Im nördlichen Bereich der Gemeinde, insbesondere rund um Bonnes-Mares, treten komplexere Bodenformationen mit roten und weißen Mergelschichten auf. Der geologische Übergang Richtung Morey-Saint-Denis ist in den Weinen spürbar: sie gewinnen an Dichte, Erdigkeit und Struktur.
Die Hangexposition ist überwiegend ost- bis südostgerichtet mit moderater bis steiler Neigung. Die Höhenlage der Rebflächen bewegt sich zwischen 250 und 320 Metern, wobei die besten Climats auf dem mittleren Hangabschnitt liegen – dort, wo Drainage, Sonneneinstrahlung und Bodentiefe im optimalen Verhältnis stehen.
Die Grands Crus
Musigny – ca. 10,8 ha
Musigny gilt unter Kennern als einer der vollkommensten Pinot-Noir-Weinlagen der Welt. Der Grand Cru erhebt sich oberhalb des Premier Cru Les Amoureuses und grenzt im Südosten an den Clos de Vougeot, im Süden an die Grands Échézeaux. Die Lage gliedert sich in zwei Sektionen: Les Musigny im Norden (ca. 6,5 ha) und Les Petits Musigny im Süden (ca. 4,2 ha), ergänzt durch eine kleine Grand-Cru-Parzelle der Premier-Cru-Lage La Combe d’Orveau am äußersten Südende.
Die Hangneigung ist mit 8–14 % beträchtlich. Die Böden, obwohl nicht tief, sind durch rote Toneinlagerungen im oberen Bereich angereichert und insgesamt kalkreicher als bei den benachbarten Grands Crus. Musigny wurde bereits durch ein Urteil vom 16. April 1929 formal abgegrenzt – noch vor der Schaffung des AOC-Systems.
Die Weine von Musigny vereinen eine ausgeprägte Duftkomplexität – Wildrose, Veilchen, Himbeere, Johannisbeere – mit einer Textur, die in der Literatur immer wieder als „une main de fer dans un gant de velours“beschrieben wird: ein eiserner Kern in samtenem Handschuh. Das Reifepotenzial der besten Weine liegt bei 30 bis 50 Jahren und darüber.
Eine Besonderheit der Appellation ist die Zulassung von Chardonnay für Musigny Blanc – ein Relikt der AOC-Gründung von 1936. Auf rund 0,66 Hektar kultiviert die Domaine Comte Georges de Vogüé Chardonnay-Reben; nach einer Neupflanzung in den späten 1980er- und mittleren 1990er-Jahren wurde der Wein von 1994 bis 2014 als Bourgogne Blanc deklassiert, da die Domäne die Reben für zu jung hielt, um Grand-Cru-Qualität zu beanspruchen. Seit dem Jahrgang 2015 wird Musigny Blanc wieder als Grand Cru abgefüllt – eine der seltensten Abfüllungen Burgunds mit einer Produktion von kaum mehr als 2.500 Flaschen jährlich.
Bedeutende Erzeuger im Musigny:
- Domaine Comte Georges de Vogüé (mit fast zwei Dritteln der Gesamtfläche der größte Besitzer)
- Domaine Jacques-Frédéric Mugnier (zweitgrößter Besitzer)
- Domaine Georges Roumier
- Domaine Leroy
- Domaine Tawse
- Maison Louis Jadot
- Maison Joseph Drouhin
Bonnes-Mares – ca. 15,06 ha
Der zweite Grand Cru der Gemeinde erstreckt sich über beide Seiten der Gemeindegrenze: 13,54 Hektar liegen in Chambolle-Musigny, 1,52 Hektar in Morey-Saint-Denis. Im Norden grenzt Bonnes-Mares an den Grand Cru Clos de Tart, im Süden und Westen an Premier-Cru-Lagen. Die AOC wurde am 8. Dezember 1936 geschaffen.
Die Geologie von Bonnes-Mares ist komplex und bringt innerhalb der Lage zwei deutlich unterscheidbare Weintypen hervor. Am unteren, südlichen Hang dominieren die sogenannten terres rouges – rötliche, tiefgründigere Mergelböden, die reichere, opulentere Weine ergeben. Der obere, nördliche Bereich weist hellere, kalkhaltigere terres blanches auf, aus denen strukturiertere, straffere Weine hervorgehen. Die Nähe zu Morey-Saint-Denis prägt den Gesamtcharakter: Bonnes-Mares-Weine sind in der Regel kräftiger, dunkelfruchtiger und erdiger als Musigny, mit einem festeren Tanningerüst und oft beachtlicher Langlebigkeit von 30 bis 50 Jahren.
Die Lage ist unter rund 19 bis 20 Erzeugern aufgeteilt – eine Fragmentierung, die durch das napoleonische Erbrecht weiter zunehmen dürfte.
Bedeutende Erzeuger im Bonnes-Mares:
- Domaine Comte Georges de Vogüé (ca. 2,6 ha)
- Domaine Georges Roumier (ca. 1,6 ha)
- Domaine Robert Groffier
- Domaine Dujac
- Domaine Jacques-Frédéric Mugnier
- Domaine de la Pousse d’Or
- Domaine Bertheau
- Domaine Bruno Clair
Die Premiers Crus: 24 Climats
Chambolle-Musigny verfügt laut INAO über 24 als Premier Cru klassifizierte Climats. Die Gesamtfläche beträgt rund 61 Hektar, wobei die tatsächlich in Produktion stehende Fläche bei etwa 56 bis 58 Hektar liegt. Die stilistische Bandbreite ist bemerkenswert – von duftiger Finesse im Süden bis zu strukturierter Tiefe im Norden.
Südlicher Sektor: Eleganz und Transparenz
Les Amoureuses ist der berühmteste Premier Cru der Gemeinde und wird in Fachkreisen seit Langem als inoffizieller Grand Cru gehandelt. Die Lage liegt direkt unterhalb von Musigny und teilt mit diesem die leichten, kalkreichen Böden, die hervorragende Drainage und die Südostexposition. Die Weine verbinden eine nahezu ätherische Duftigkeit – rote Frucht, Rosenblüten, erdige Nuancen – mit seidiger Textur und einer Tiefe, die den besten Musigny-Abfüllungen nahekommt. Les Amoureuses zählt verlässlich zu den teuersten Premier-Cru-Weinen ganz Burgunds; Spitzenerzeuger wie Roumier oder Robert Groffier erzielen Preise, die viele Grand-Cru-Appellationen anderer Gemeinden übertreffen.
Les Charmes verkörpert den klassischen Chambolle-Stil in seiner zugänglichsten Form: duftig, floral, von feiner Frucht getragen und vergleichsweise früh trinkbar. Les Cras hingegen liefert durch seine betont kalkigen Böden Weine von präziser Säure und beachtlichem Lagerpotenzial. Les Fuées, unmittelbar an Bonnes-Mares angrenzend, zeigt mehr Struktur und Mineralität als die meisten südlichen Premiers Crus.
Nördlicher Sektor: Kraft und Dichte
Im nördlichen Bereich der Gemeinde, wo die Böden schwerer und die geologische Verwandtschaft mit Morey-Saint-Denis spürbarer wird, entstehen Weine von dunklerem Fruchtcharakter und stärkerem Tanningerüst. Les Sentiers und Les Baudes gehören zu den kraftvollsten Premiers Crus der Appellation – stilistisch stehen sie an der Grenze zwischen Chambolle und Morey. Les Feusselottes bewahrt auch im nördlichen Kontext die typische aromatische Feinheit, während Les Hauts-Doix durch sein kühleres Mikroklima besonders straffe, mineralische Weine hervorbringt.
Aux Combottes, La Combe d’Orveau, Les Borniques, Les Groseilles, Les Lavrottes, Les Gruenchers, Les Noirots,Les Véroilles, Les Plantes, Les Chatelots, Aux Échanges, Aux Beaux Bruns, Derrière la Grange, Les Carrières und Les Chabiots komplettieren das Ensemble der 24 Premiers Crus – jeder mit eigenem Charakter, viele in Spitzenjahren auf einem Niveau, das anderen Gemeinden als Grand-Cru-Qualität gelten würde.
Stilistik und Geschmacksprofil
Chambolle-Musigny-Weine sind ihrer Natur nach mittelgewichtige, von Transparenz und Finesse bestimmte Pinot Noirs. Die Farbe tendiert zu hellem bis mittlerem Rubinrot mit leuchtenden Reflexen – deutlich heller als etwa Gevrey-Chambertin oder Nuits-Saint-Georges. Das Duftbild ist einer der unmittelbarsten Erkennungsmarker der Appellation: Veilchen, Rosenblätter, Himbeere, Sauerkirsche und Granatapfel verbinden sich mit feinen Gewürznoten zu einer Aromatik, die in Burgund nur von Musigny selbst in noch größerer Intensität erreicht wird.
Am Gaumen dominiert eine seidige, fast schwebende Textur. Die Tannine sind feinkörnig und nahtlos integriert, die Säure präzise, die Mineralität kalkig-transparent. Was Chambolle-Musigny von anderen eleganten Appellationen unterscheidet, ist die innere Spannung, die selbst den leichtesten Weinen Tiefe und Nachhall verleiht. In der Reife entwickeln sich Noten von Unterholz, Leder, feinem Pilz und Gewürzen, ohne dass die florale Grundsignatur jemals verloren geht.
Das Lagerpotenzial variiert erheblich nach Klassifikationsstufe: Village-Weine sind typischerweise 8 bis 15 Jahrehaltbar, die besten Premier Crus reifen 15 bis 25 Jahre, während Grands Crus Jahrzehnte überdauern – Musigny und Bonnes-Mares aus herausragenden Jahrgängen können nach 30, 40 oder 50 Jahren noch vital und vielschichtig sein.
Chambolle-Musigny im Vergleich zu den Nachbargemeinden
Im Norden grenzt Morey-Saint-Denis, dessen Weine tendenziell erdiger, dichter und weniger floral ausfallen. Die geologische Transition ist besonders an der Bonnes-Mares-Grenze spürbar, wo Chambolle-Eleganz und Morey-Struktur aufeinandertreffen. Im Süden liegt Vougeot mit dem berühmten Clos de Vougeot, dessen heterogene Besitzstruktur ein breites Qualitätsspektrum hervorbringt. Weiter südlich beginnt Vosne-Romanée, die Heimat der Domaine de la Romanée-Conti, deren Weine eher Opulenz und samtene Dichte als Chambollesque Transparenz anstreben. Der stilistisch nächste Verwandte von Chambolle-Musigny in der Côte de Beaune ist Volnay – eine Parallele, die in der Fachliteratur regelmäßig gezogen wird.
Die bedeutendsten Erzeuger
Domaine Comte Georges de Vogüé ist die größte Einzeldomäne in Musigny und produziert mit der Cuvée Vieilles Vignes einen der ikonischsten Weine Burgunds. Seit Generationen im Besitz derselben Familie, vereint das Weingut Tradition und höchsten Qualitätsanspruch.
Domaine Georges Roumier gilt als eine der begehrtesten Adressen nicht nur in Chambolle, sondern in ganz Burgund. Die Les-Amoureuses-Abfüllung hat Kultstatus erreicht; der Musigny Grand Cru erzielt auf dem Sekundärmarkt fünfstellige Preise pro Flasche.
Domaine Jacques-Frédéric Mugnier steht für kompromisslose Reinheit und Präzision. Als zweitgrößter Besitzer im Musigny und mit herausragenden Premiers Crus verbindet Mugnier handwerkliche Zurückhaltung mit konsequentem Terroir-Ausdruck.
Domaine Ghislaine Barthod hat sich als eine der zuverlässigsten Referenzadressen für Premiers Crus etabliert. Die Weine sind von feiner Struktur, aromaintensiv und bemerkenswert konsistent über die Jahrgänge hinweg.
Weitere herausragende Erzeuger sind Domaine Hubert Lignier (strukturierte, langlebige Chambolle-Weine), Domaine Dujac (komplexe Bonnes-Mares), Domaine Amiot-Servelle (biodynamisch arbeitend, von großer Präzision), Domaine Robert Groffier (legendäre Les-Amoureuses-Parzelle), Domaine Bertheau (klassischer Chambolle-Stil mit minimaler Neuholz-Verwendung), Domaine Leroy (Musigny Grand Cru als Inbegriff von Rarität und Intensität) und Domaine Anne et Hervé Sigaut (hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis im Village-Segment).
Marktpreise und Kauforientierung
Die Preisstruktur von Chambolle-Musigny reflektiert den Ruf der Appellation als eine der edelsten Adressen Burgunds. Alle Angaben orientieren sich an aktuellen internationalen Durchschnittspreisen (Quellen: Wine-Searcher, Liv-ex, Auktionsergebnisse):
- Village Chambolle-Musigny: ca. 60–180 € je nach Erzeuger und Jahrgang
- Premier Cru (Durchschnitt über alle Climats): ca. 150–600 €
- Les Amoureuses (Premier Cru): ab ca. 400 € bis weit über 1.500 € bei Spitzenerzeugern wie Roumier, De Vogüé oder Drouhin
- Bonnes-Mares Grand Cru: ca. 500–2.500 € je nach Erzeuger; Spitzendomänen deutlich darüber
- Musigny Grand Cru: ab ca. 800 € (Louis Jadot, Drouhin) bis mehrere tausend Euro (De Vogüé Cuvée Vieilles Vignes ca. 1.000 €, Roumier ca. 15.000–18.000 €, Domaine Leroy über 60.000 €)
Für den Einstieg in die Stilistik der Appellation bieten Village-Weine von Domaine Anne et Hervé Sigaut, Domaine Amiot-Servelle und Domaine Ghislaine Barthod einen authentischen Zugang zu einem Preis, der im burgundischen Kontext noch als moderat gelten kann. Wer das Wesen von Chambolle-Musigny in verdichteter Form erleben möchte, findet in den Premier Crus Les Charmes, Les Cras oder Les Fuées – etwa von Barthod, Mugnier oder Hubert Lignier – Weine von großer Ausdruckskraft, die preislich unterhalb der Spitzen-Premiers-Crus bleiben.
Bedeutung in der Weinwelt
Chambolle-Musigny nimmt in der Hierarchie der großen Pinot-Noir-Terroirs eine singuläre Stellung ein. Kein anderer Ort Burgunds hat eine vergleichbare Identität um das Ideal der Eleganz konstruiert. Während andere Gemeinden in heißen Jahrgängen zunehmend mit dem Verlust ihrer traditionellen Stilistik ringen, bewahrt Chambolle durch seinen hohen Kalksteinanteil und den kühlenden Einfluss der Comben eine bemerkenswerte aromatische Präzision. Die Aufnahme der burgundischen Climats in das UNESCO-Welterbe im Jahr 2015 hat die Bedeutung dieser Terroir-Vielfalt auch institutionell untermauert.
Auf dem internationalen Sekundärmarkt gehören die Grands Crus von Chambolle-Musigny zu den gefragtesten und teuersten Weinen der Welt. Domaine Leroy Musigny Grand Cru hat als erster Wein überhaupt die Marke von 50.000 US-Dollar als Durchschnittspreis über alle Jahrgänge hinweg überschritten – ein historischer Meilenstein, der die Sonderstellung burgundischer Grand-Cru-Terroirs auf dem globalen Sammlermarkt verdeutlicht.
Häufig gestellte Fragen zu Chambolle-Musigny
Was macht den Wein aus Chambolle-Musigny so besonders?
Chambolle-Musigny steht innerhalb der Côte de Nuits für den elegantesten Ausdruck des Pinot Noir. Die Kombination aus kalksteinreichen Böden mit hohem Anteil aktiven Kalkgesteins, dem kühlenden Einfluss zweier Comben und einer idealen Ost-Südost-Exposition ergibt Weine von floraler Aromatik, seidiger Textur und kalkig-transparenter Mineralität, wie sie in dieser Reinform an keinem anderen Ort Burgunds entstehen.
Welche Grands Crus besitzt Chambolle-Musigny?
Die Gemeinde beherbergt zwei Grands Crus: Musigny (ca. 10,8 ha), der als einer der vollkommensten Pinot-Noir-Weinberge weltweit gilt, und Bonnes-Mares (ca. 15 ha), der sich über Chambolle-Musigny und Morey-Saint-Denis erstreckt und im Vergleich zu Musigny kraftvollere, dunkelfruchtigere und erdiger geprägte Weine hervorbringt. Musigny ist zugleich einer der seltenen Grand-Cru-Weinberge der Côte de Nuits, die sowohl Rot- als auch Weißwein produzieren dürfen.
Warum hat Les Amoureuses Grand-Cru-Renommee, obwohl es ein Premier Cru ist?
Les Amoureuses liegt unmittelbar unterhalb des Grand Cru Musigny und teilt mit diesem die leichten, kalkreichen Böden und die hervorragende Drainage. Weine aus Les Amoureuses erreichen regelmäßig eine Tiefe und Komplexität, die qualitativ an Grand Cru heranreicht. Der Climat zählt verlässlich zu den teuersten Premier-Cru-Weinen ganz Burgunds – Spitzenerzeuger erzielen Preise, die viele Grand-Cru-Appellationen anderer Gemeinden übertreffen. Sollte die Klassifikation je überarbeitet werden, wäre Les Amoureuses ein erstrangiger Kandidat für eine Aufstufung.
Wie lange kann man Chambolle-Musigny lagern?
Village-Weine aus Chambolle-Musigny entwickeln sich über 8 bis 15 Jahre positiv und bieten in diesem Zeitfenster zunehmend komplexe Sekundäraromen. Premier-Cru-Weine erreichen ihren Höhepunkt typischerweise nach 10 bis 20 Jahren, wobei Spitzenlagen wie Les Amoureuses oder Les Cras auch 25 Jahre und mehr überdauern können. Die Grands Crus Musigny und Bonnes-Mares gehören zu den langlebigsten Pinot Noirs überhaupt und können nach 30 bis 50 Jahren noch vital, vielschichtig und faszinierend sein.
Was kostet ein guter Einstieg in Chambolle-Musigny?
Qualitativ überzeugende Village-Weine von verlässlichen Erzeugern wie Anne et Hervé Sigaut, Amiot-Servelle oder Ghislaine Barthod sind ab etwa 60 bis 100 Euro erhältlich. Diese Weine bieten einen authentischen Zugang zur Stilistik der Appellation. Wer den nächsten Schritt gehen möchte, findet in Premier Crus wie Les Charmes oder Les Cras ab etwa 150 Euro Weine von bemerkenswerter Tiefe und Komplexität.
Gibt es Weißwein aus Chambolle-Musigny?
Weißwein wird in Chambolle-Musigny ausschließlich als Musigny Blanc erzeugt – ein Grand-Cru-Chardonnay von extremer Seltenheit. Nur rund 0,66 Hektar Chardonnay sind innerhalb der Musigny-Appellation bestockt, gepflegt von der Domaine Comte Georges de Vogüé. Die jährliche Produktion liegt bei kaum mehr als 2.500 Flaschen. Auf Village- und Premier-Cru-Ebene ist ausschließlich Rotwein aus Pinot Noir zugelassen.
Wie unterscheidet sich Chambolle-Musigny von seinen Nachbargemeinden?
Chambolle-Musigny zeichnet sich durch einen höheren Anteil an aktivem Kalkstein in den Böden aus als Morey-Saint-Denis im Norden oder Vougeot und Vosne-Romanée im Süden. Dies erklärt die hellere Farbe, die betontere florale Aromatik und die feinere Tanninstruktur der Weine. Während Morey-Saint-Denis eher erdige Dichte liefert und Vosne-Romanée für samtene Opulenz steht, verkörpert Chambolle-Musigny die transparenteste, am stärksten von Eleganz und Mineralität bestimmte Stilistik der Côte de Nuits.