MasterClass Rhône – Cuvée oder lieber reinsortig? Eine Gegenüberstellung von Nord & Süd | 24. April 2019

Vom 16 köpfigen Verkostpanel wurden die folgenden Weine als die Spannendsten des Abends gekürt:

2001 Hommage á Jacques Perrin, Beaucastel – war der eindeutige Sieger. 6x als erster gereiht
1999 Les Grandes Places, Jean Michel Gerin – 3x als erster gereiht
2001 Hermitage, Jean-Louis Chave
2001 Chateau Rayas
2001 Réservée, Domaine de la Vieille Julienne

Flight 1
– 2016 Vernillon Condrieu, Domaine Jamet (C/J-P/L) Viognier | 94 MayPoints
– 2004 CdPape blanc, Saint Préfert 90Clairette 10GREblanc & Bourboulenc | 91 MayPoints
– 2003 De l´Orée Ermitage, M. Chapoutier (Selections Parcellaires) Marsanne | 92 MayPoints

Condrieu von Jamet: Strohgelb. Fruchtig-frische Aromen nach Mandarinen und Steinobst in der Nase. Wundervoll cremige Struktur, zarter Schmelz mit Vanillenoten und Honig. Frische, gute Balance und fein strukturiert. Trotz des durchaus kraftvollen Körpers nicht too much.

Saint Préfert: Ein Weingut in Frauenhand. Winemakerin und Eigentümerin ist Isabel Ferrando. Der 2004er war ihr 2. Jahrgang. Orange Farbe, intensiv aromatische Nase, typisch mittelreifer CdP, Pfirsicheistee. Am Gaumen fast Sherry-ähnlich, rote Früchte, sehr trocken, fast Schieferton. Interessant, vielschichtig. Mittlerer Körper. Etwas Luft tut ihm gut. Die 13 % Alkohol merkt man nicht mehr. Für einen mittelreifen CdP durchaus auf der eleganten Seite.

De L´Orée Ermitage: Demeter-Betrieb. Strahlendes Strohgelb, schmelzig cremige Nase, Akazienhonig, sanft bittrig, etwas kandierte Früchte. Am Gaumen Karamellbonbon, cremige Struktur, wenig Frucht, gute mid-palate-density, vielschichtig, mit kraftvollem Körper und frischer Säure. Der hohe Alkohol (14,5%) ist spürbar, aber am Ende „geht der Wein wieder zusammen“, wird nicht breit und wirkt überhaupt nicht plump. Obwohl schon 15 Jahre reif, hat der Wein viel Potential für weitere Flaschenreife. Wer den Wein im Keller hat muss sich nicht mit dem Austrinken beeilen.

Flight 2
– 2011 Côte-Rôtie, Domaine Jamet Syrah | 96 MayPoints
– 2011 La Combe des Fous, Clos Saint Jean 60GRE 20SY 10Vaccarèse 10 Counoise | 96 MayPoints

Côte-Rôtie, Domaine Jamet: So riecht Côte-Rôtie: klassisch schwarze Olive, dunkle, saftig fleischige Frucht und Würze. Weltklasse-Nase! Gaumen wie Nase verführerisch. Deutlich schwarzer Pfeffer und Olivennoten. Trotz der intensiven Aromen eher kühl, strukturiert und vielschichtig. Langer Abgang. Etwas Dekantierzeit tut dem Wein gut.

La Combe des Fous: Übersetzt: „Das Tal der Narren“ – bezieht sich darauf, was sich Winzerkollegen dachten und sagten, als sie hörten, dass in diesem südlich gelegen Teil der Appellation Wein angebaut werden sollte. Das Ergebnis gibt den Produzenten aber Recht. Warm, weich, Korinthen, Zwetschken und Brombeeren. Ebenso am Gaumen, wunderschön harmonisch, saftige Fruchtaromen mit Nougattouch und sanfter Kräuterwürze. Für einen CdP überraschend wenig staubig. Kraftvoller Körper und im langen Finish sanft röstig.

Flight 3
– 2001 Château Rayas 100 GRE | 92 MayPoints
– 2001 Réserve des deux frères, Pierre Usseglio 100 GRE | 70-95 jährige Rebstöcke | 88 MayPoints
– 2001 Réservé, Domaine de la Vieille Julienne 60GRE 15SY 10Mouv 10C 5C | 75-100+ | 94 MayPoints

Auch die südliche Rhone kann es fast reinsortig. 2x 98-100% Grenache und 1x typisch CdP.

Rayas: Durchscheinendes Kaminrot, typische Rayas-Hellfärbigkeit. Sehr elegant, ganz sanft Korinthen, nicht laut, subtil. Nase setzt sich am Gaumen fort. Pinot-Anmutung (rotbeerig, kirsch-weichselige Frucht), aber auch etwas Kräutertouch, leicht pilzige Aromen und schon erste Eindrücke einer Sekundäraromatik. Das Finish ist geprägt von Struktur, Würze und Weichselfrucht. Schöner und braver Rayas in einem durchschnittlichen Jahr.

Réserve des deux frères: Durchscheinendes Rostrot, leicht orange Färbung. In der Nase dunkler Gummi, Lakritze, erdig, Rumtopf. Am Gaumen wirken die Aromen harmonischer, nicht ganz so dunkel und oxidativ. Für uns dominieren die erdig, lakritzigen Noten. Dieser Wein zeigt eindeutig Terziäraromatik oder ist zu schnell gereift oder zuviel gewollt … Hat uns zum wiederholten Male nicht geschmeckt.

Réservé von Vieille Julienne: Alte Rebstöcke (75-100+). Schöne, sanft gereifte Nase nach Weichseln, Schwarzerde, feinen Kräutern, elegant und kraftvoll zugleich, feine Struktur, sanfte Staubigkeit, fast schon likörige Süße im Finish. Jetzt in seiner perfekten Flaschenreife. So gehört CdP. Domaine de la Vieille Julienne gehört seit vielen Jahren zu unseren Lieblingen in der südlichen Rhone.

Flight 4
– 2001 Château Beaucastel 30GRE 30Mouv 10SY 10C +9 weitere = 13 Rebsorten | 93 MayPoints
– 2001 Hommage á Jacques Perrin, Beaucastel 60Mouv 20GRE 10SY 10C | 97 MayPoints

Für uns war an diesem lauen Frühlingsabend der Beaucastel-Flight der Flight des Abends.

Beaucastel: Mittleres Rot, deutlich heller als Hommage. Schöne CdP Nase, elegant strukturiert, fast ein wenig Olive. Lebendige Säure, Kirschfrucht, feine Würze, Schokonoten, verführerisch. Bekommt im Finish sanfte Karamellnoten, sprich Schmelz. Strukturierter Körper. Perfekt jetzt zu trinken.

Hommage á Jacques Perrin: Dichte Beerenaromen, Schokonoten, ledrig, vielschichtig, großartige Nase! Am Gaumen verführerisch, sanft staubige Anmutung, Kräuternoten mit Minze, reife Beeren, sanft erdig-ledrig, elegante Süße-Säure-Balance, gute mid-palate-density. Langer harmonischer Abgang mit schöner Frucht und Erde-Leder-Aromen. Weltklasse Wein! Bei unserem Verkostpanel der eindeutige Favorit der Rhone-MasterClass.

Flight 5
– 2001 Hermitage, Jean-Lous Chave Syrah | 91 MayPoints
– 2001 Vieilles Vignes, Domaine de Marcoux 98GRE 2C | 90+ Jahre | 87 MayPoints

Hermitage von Chave: Rotbeerig, lebendige Säure, Hagebutte, sanfte Würze, etwas Schwarzerde. Sekundäraromen deutlich, unauffälliger Aromenmix, fast ein Leichtgewicht, wirkt in dieser Flasche sehr Pinot-ähnlich. Im zurückhaltenden Finish dominieren die Säure und das Tannin. Diese Flasche lässt uns ratlos zurück. Es ist enttäuschend für das, was es ist. Dennoch: bei unseren Mitgenießern wurde der Wein unter die Top 5 gereiht.

Vieilles Vignes von Marcoux: Neben dem Usseglio die 2. große Enttäuschung des Abends: Er wirkt in der Nase sofort überreif, rosiniert, mit leicht Gummi/Oxi-Aromen und Lakritze, zuviel gewollt … oder was sonst auch immer schief ging. Jetzt trinken und austrinken.

Flight 6
– 1995 Clos des Papes, Paul Avril 65GRE 20Mouv 10SY 5Vacc+Coun+Muscardin | 93 MayPoints
– 1993 La Mouline Côte Blonde, E. Gugal 89Syrah 11Viognier | 91 MayPoints

Clos des Papes: Durchscheinend Kaminrot. Schöne reife Aromen, sanft ledrig, deutliches Tannin, staubig, schöne Süße, aber zurückhaltende CdP-Stilistik und damit sehr elegant, wie immer bei Clos des Papes. Die Nase gefällt uns etwas besser als der Gaumen. Zwar jetzt gut zu trinken und noch mit einigem Leben vor sich, wir wünschten uns mehr mid-palate-density und Nachhaltigkeit am Gaumen.

La Mouline: Großer Wein in vermeintlich kleinem Jahr. Dies ist nicht unser erster 1993er aus der nördlichen Rhone. Wir hatten schon öfters Hermitage von Chave und die La Las, und sie jedes Mal mit großer Freude genossen. Sie gehören zwar nicht zu den ganz großen Guigals, aber auch der Kapitaleinsatz ist ja ein anderer. Zurückhaltend in der Nase, dunkle Beeren, Pfefferwürze und Kräuternoten sowie Schwarzerde. Mit Luft entwickeln sich auch die typischen Oliventöne und ein leicht pfeffriger Abgang. Dieser Wein hat uns und unseren 14 Mittrinkern sehr gut gefallen und wurde auf Platz 7 gereiht.

Flight 7
– 1999 Les Grandes Places, Jean Michel Gerin Syrah | 96 MayPoints
– 1998 Les Cailloux, Lucien & Andre Brunel 65GRE 20Mouv 12SY… | 70 jährig | 91 MayPoints

Les Grandes Places: Mit großer Freue haben wir gesehen, dass der Bonuswein und unsere Empfehlung an diesem Abend gefallen hat und von der Gruppe zum zweitbesten Wein erkoren wurde. Wir lieben diesen Wein seit knapp einem Jahrzehnt und 1999 Les Grandes Places gehört zu unseren Lieblings-Syrahs. Schon reife Aromen, aber trotzdem noch jugendlich. Immer intensive, dunkle Oliven-Aromen. Eindeutig als Côte-Rôtie erkennbar. Durchscheinendes Kaminrot. Schön gereifte Aromen steigen in die Nase, Weltklasse-Syrah! Schwarze Olive, Kräuter und Hagebutten, saftig, intellektuell und harmonisch. Am Gaumen wie in der Nase. Bis ins Finish authentisch. Jetzt wunderschön zu trinken in seiner mittleren Reife.

Les Cailloux: Durchscheinendes Kaminrot. Hellfruchtige, elegante CdP Stilistik mit Korinthen und sanft rosiniert. Aromen von gereiften Erdbeeren und Kräuternoten mit einer lebendigen Säure am Gaumen. Im Abgang etwas Zitronenminze und spürbare Flaschenreife. Jetzt als elegant, feiner und unspektakulärer CdP zu trinken.

Flight 8
– 2011 Saint-Joseph, Domaine Jean-Louis Chave Syrah | 93 MayPoints
– 2011 Châteauneuf du Pape, Clos Saint Jean 75GRE 15SY 4 Mouv 3 Coun 3Musc&Vaccarèse | 91 MayPoints

Saint-Joseph von Chave: Jean Luis Chave kann es nicht nur in Hermitage, sondern auch in Saint-Joseph. Auch wenn das Etikett ganz anders als das Hermitage-Etikett aussieht, ist dieser Wein auch ein Domaine-Wein. Und so schmeckt er auch. Saftiges Beerenkonfit, Schwarzerde, sanfte Würze, röstige Noten, und selbstverständlich etwas Olive. Der einzige Vorwurf, den wir dem Wein machen können ist seine Jugend. Und da sind wir ja selbst Schuld, ihn jetzt schon zu öffnen. Wunderschöner Syrah.

Clos Saint Jean: Typisch CdP: Rumtopf, intensive Korinthen, expressiv, warm, Kräuter. Wirkt am Gaumen marmeladig und fast zu süß, Kraft pur. Schwarzerdenoten und Kräuter im Abgang, rustikal mit kraftvollem Körper. Wer richtig klassischen CdP möchte, der ist hier richtig. … uns ist die Aromatik zu intensiv …

Süßwein
– 2011 AOC Maury (Roussillon), Domaine des Enfants, Marcel Bühler GRE | 89 MayPoints

Wir halten uns gerne an das 7. Willi B. Gesetz: „Keine Weinprobe ohne Süßwein“. Und bei einem Rhone-Tasting servieren wir natürlich einen Grenache-dominierten südfranzösischen Süßwein. Diesmal aus Roussillon. Dunkles Rot mit lila Randaufhellung, süße Nase mit Beerenkonfit, Schokonoten, Aromen von jungem Vintage-Port. Nett zu trinken, aber auch nicht mehr. Wir sind ja auch bei Portwein Freunde der gereiften Kreszenzen, da es uns jung immer etwas zu süß, zu wuchtig, zu intensiv, zu schön 😉 ist.

Conclusio: Der Norden gibt sich eher säurebetont, tanninreich und würzig, mit dem starken Hang zu Olivenaromen. Der Süden ist eher warm, weich, kräuterwürzig und kraftvoll. Wir lieben den Norden und einige ausgesuchte Weine im Süden. 

Anbei die vollständige Weinliste zum Download:
MasterClass Rhone